Email-Interview Karl-Heinz Bogner

29 09 2008

Ich freue mich sehr, euch ein neues Interview präsentieren zu können. Vor einiger Zeit habe ich Karl-Heinz Bogner vorgestellt, einem studierten Architekten, der mittlerweile als Künstler erfolgreich ist. In seinen Arbeiten thematisiert (u.a.) Raumfragen.

Arbeiten von Bogner werden übrigens im Oktober im Forum für Kunst und Architektur in Essen zu sehen sein.

…………………………………………………………………………………………………………………

Wieso wird ein studierter Architekt Künstler?

Vor und auch während meines Architekturstudiums beschäftigte ich mich viel mit freier Kunst. Neben den Entwürfen und Semesterarbeiten setzte ich mich mit Malerei und Freier Grafik auseinander. Mein Bedürfnis, mich mit freikünstlerischen Mittel auszudrücken, wuchs im Laufe der Zeit. Nach meinem Studium war mir klar, dass es mich mehr zur freien Kunst zog als in die Architekturpraxis. Ich konzentrierte mich dann zunächst hauptsächlich auf Malerei.

Arbeiten Sie auch als Architekt?

Nein, ich arbeite nicht in der Baupraxis und habe bisher auch kein Haus gebaut.

Wie haben Sie zu Ihrer Arbeitsweise gefunden – und: Wie beeinflusst das Architekturstudium bzw. die Architektur Ihre Kunst? Bei der Arbeitsweise, bei der Themenwahl?

Meine heutige Arbeitsweise hat sich im Laufe der letzten Jahre entwickelt. Das Architekturstudium beeinflusst mich hierbei bis heute, auch weil die Auseinandersetzung mit Raum in Zeichnung und Modell ein zentraler Bestandteil des Studiums ist. Zudem hat das Studium mich für den Umgang mit Form und Raum sowie für deren Wahrnehmung sensibilisiert. In meinen Arbeiten, ob Bild oder Architekturobjekt, beziehe ich mich auf Architektur, die ich als Ausdrucksträger verstehe. Meine hierbei verwendeten Instrumente in meiner künstlerischen Arbeit sind neben Zeichnung und Modell auch die Malerei.

In meinen Objekten, die den Charakter von Architekturmodellen besitzen, setze ich mich mit verschiedenen Raumthemen, wie z.B. „Rückzugsraum“, „Schutzraum“ oder „Zwischenraum“, auseinander, Themen, die auch in der Architektur eine Rolle spielen.

Die Auseinandersetzung mit Raum und Architektur beeinflusst auch meine Malerei, in der zum Beispiel Formelemente auftauchen können, die entfernt an Gebäudeteile oder -fragmente erinnern.

Wo liegen Vorbilder für Ihre Arbeit, welche Einflüsse finden sich in Ihrer Arbeit?

Die Form- und Bilderwelt von Industriearchitekturen, Hafenanlagen, Steinbrüchen, Gebäuden im Rohbau oder auch Baustellen – also auch das nicht Fertige, das Fragmentarische – sind für mich Inspirationsquellen für meine Arbeit. In der Auseinandersetzung mit solchen Orten entsteht in mir eine Art „ inneres Archiv“, das ich in Bildern, Zeichnungen und Architekturobjekten umsetze. Aber auch eine Landschaft, ein Film oder ein Musikstück können für mich Aspekte beinhalten, die in meine Arbeiten einfließen.

Und noch eine „philosophische“ Frage: Welche Bedeutung hat Architektur / Raum  – für Sie, für uns?

Ich denke, dass Architektur und überhaupt unsere gesamte gebaute Umwelt unser Leben mehr beeinflussen und prägen, als wir uns bewusst sind, auch weil wir sehr viel Lebenszeit in gebauten Räumen verbringen.

Darüber hinaus hat Architektur und Raum für mich eine zentrale Bedeutung, weil eben darin eine Vielfalt an Themen beinhaltet ist, auf die ich mich in meinen Arbeiten beziehe. Das Erleben und Wahrnehmen von bestimmten Räumen, Architekturen und Atmosphären regt mich zu künstlerischen Prozessen an.





Karl-Heinz Bogner: Räume

12 09 2008

Ein Ausstellungshinweis für eine Ausstellung eines Künstlers, über den ich berichtet habe:

Karl-Heinz Bogner

Räume

Objekte, Zeichnungen, Malerei

5.10.-26.10.2008

Forum Kunst und Architektur, Essen

………………………………………………………………..

Laut Selbstdarstellung wurde das „Forum Kunst und Architektur“ vom Bund Deutscher Architekten (BDA)- Kreisgruppe Essen, vom Ruhrländischen Künstlerbund (RKB) und vom Werkkreis bildender Künstler (WBK) gegründet, um gemeinsame Projekte und Veranstaltungen zu realisieren, die den Dialog zwischen Künstlern, Architekten und der Bürgerschaft fördern.

Zweck und Ziel des Vereins ist die Präsentation und Diskussion um Kunst und Architektur mit besonderem Bezug auf den Standort Essen; alle 4 bis 5 Wochen werden neue Ausstellungen gezeigt, die ergänzt werden von Vorträgen und Künstlergesprächen.





Karl-Heinz Bogner: Raumfolgen

1 07 2008

Was passiert, wenn ein Architekt Kunst macht?

Ohne Titel, 2007, Mischtechnik auf Leinwand, 40 x 240 cm (Website des Künstlers)

Karl-Heinz Bogner ist studierter Architekt mit Ingenieurs-Diplom aus Stuttgart, der mittlerweile als freier Künstler, als Maler und Bildhauer, arbeitet. Aufmerksam wurde ich auf ihn durch einen Bericht im art info Magazin sowie im Portal Kunstgeschichte. Persönlich konnte ich aber noch keine Arbeiten von ihm sehen.

2005 hatte Bogner eine Einzelausstellung in der renommierten Architekturgalerie Aedes in Berlin, im Herbst 2008 wird er im Essener Forum für Kunst und Architektur zu sehen sein. Bis Mitte Mai wurden seine neuesten Arbeiten „Raumfolgen“ in Göppingen, Galerie Kränzl, gezeigt.

(Aufnahme aus der Galerie Kränzl)

Bogners Gemälde in schwarzweißen Schattierungen (manchmal mit einigen wenigen Farbakzenten) erinnern an feine grafische Konstruktionen, sie haben etwas Architektonisches an sich, sind aber nicht eindeutig als Räume oder Bauten zu erkennen. Die Formen sind kantig, quadratisch. Aus dem Neben- und Übereinander von dunkeln und hellen Flächen ergibt sich eine räumliche Wirkung, ohne dass Bogner perspektivische Darstellungsmittel einsetzt: Bogner „baut“ seine Gemälde aus Flächen und Linien, Hell und Dunkel/Licht und Schatten auf – wie ein Architekt, könnte man meinen. Die Bilder haben keinen Fluchtpunkt, sie sind „flach“; dennoch meint der Betrachter automatisch einen Raum zu erkennen. „Raum wird als Durchgang und Übergang erfahrbar.“[1]

Ohne Titel, 2003, Holz, Karton, mdf, Acrylfarbe, 22 x 55 x28 cm (Website des Künstlers)

Dies wird auch in seinen Holz-Skulpturen fortgeführt: Die filigranen schwarze Raummodelle aus Balken, Linien, Stäben sehen aus wie plastisch gewordene Bilder von Bogner. Sie erinnern an architektonische Objekte – so sind sie auch tituliert: „Objekt“ –, sind dabei aber immer schwarz, nicht weiß, wie die typischen Architekturmodelle. Bogner betont zudem die Bindung seiner dreidimensionalen Arbeiten an die Malerei. Ein wenig erinnern sie auch an die weißen Architektone Malewitschs, die ebenfalls aus Raumkuben Gebilde formen, die an Architektur erinnern, jedoch keinerlei konkrete bauliche Elemente aufweisen.

Nach Günther Baumann ist Bogners Thema „das menschliche Innenleben, dessen Emotionalität er über architektonische Formenspiel auf eine ästhetische Ebene hebt; sei es als rückzugsfähiger Schutzraum, sei es als selbst schutzwürdiges Refugium. Karl-Heinz Bogner will in seinem Werk keine Widersprüche auflösen, keine Harmonie um jeden Preis, im Gegenteil: Er fordert sie geradezu heraus. Die Fragilität und Brüchigkeit wie die Heimeligkeit gehen schließlich auch im echten Leben meist ineinander über.[1] Seine Arbeiten sind Denkräume.


[1] Zitat nach Günther Baumann, www.portalkunstgeschichte.de





Architecture + Art

16 02 2008

List of artists introduced / portrayed (as you might observe there’s a „slight“ dominantion of photographers – obviously it’s the photographers in particular that are fascinated by architecture):

Vito Acconci

Johanna Ahlert | Silke Schmidt (Photography)

Ivan Andersen

Bernd und Hilla Becher (Photography)

Isabella Berr (Photography)

Julio Bittencourt (Photography)

Patrick Blanc

Karl-Heinz Bogner

Wigald Boning (Photography)

Laurence Bonvin

Stefan Canham | Rufina Wu (Photography)

John Davies

Mirko Stefan Elfert (Sculpture)

Andreas Feininger (Photography)

Philipp Geist (Multimedia)

Michael á Grømma (Painting)

Andreas Gursky (Photography)

Beate Gütschow (Photography)

Matthias Hagemann

Sven Hamann (Painting | Photography)

Rober Häusser (Photography)

Isabelle Hayeur (Photography)

Jörg Heieck

Stefan Heyne

Stefan Hoenerloh (Painting)

Brad Howe (Sculpture)

Sun Ji

Lu Jun

Alec MacLean (Photography)

Wolfgang Lüttgens (Photography)

Nicola Meitzner

Ralf Meyer

Birgit Neiser (Photography)

Inês d’Orey (Photography)

June Bum Park

Marc Räder

Soavina Ramaroson (Photography)

Mies van der Rohe

Lukas Roth

Silke Schmidt | Johanna Ahlert (Photography)

Philipp Schaerer

Jörg Schmiedekind (Photography)

Kerstin J. Schorer (Photography)

Kai-Uwe Schulte-Bunert (Photography)

s.h.e. (Stefan Heinrich Ebner)

Julius Shulman (Photography)

Thomas Strogalski (Photography)

Jutta Strohmaier

Christoph Studinka

Hiroshi Sugimoto

Kristian Vodder Svensson

Kurt Laurenz Theinert

Vicki Topaz (Photography)

Levi van Veluw

Tuca Vieira (Photography)

Tobias Weber

Rachel Whiteread

Michael Wolf

Gabriele Worgitzki

Rufina Wu | Stefan Canham (Photography)

Martin Zeller

Unter der Kategorie Architektur + Kunst möchte ich Künstler vorstellen, die sich an der Schnittstelle zwischen Architektur und Kunst bewegen. Dabei geht es mir hier um die „entgegengesetzte“ Richtung als vorher – also Arbeiten, die sich mit Architektur auf künstlerische Weise auseinandersetzen, sei es in Fotografie, Film, Malerei, Skulptur…

Den Anspruch, den ich an Arbeiten stelle – das gilt für moderne/zeitgenössische Kunst grundsätzlich – ist, dass sie einerseits inhaltlich vielschichtig sind und sich neben ihrem jeweiligen zentralen Thema weitere Anknüpfungspunkte finden lassen; andererseits interessiert mich die formale Umsetzung – wurde das Thema in einer intelligenten Weise umgesetzt?
Die Übersicht hat natürlich keinen Anspruch auf Vollständigkeit, sondern ist mehr als fortlaufendes Projekt gedacht. Was mir auffällt, wird ergänzt :)

Also einfach ab und zu in der Kategorie Architektur + Kunst stöbern.

Über Kommentare, Hinweise, Tipps, … freue ich mich!!

In category Architektur + Kunst I want to present you artists whose work happens where arts and architecture meet. Here I’m interested in the „opposite“ thing than before – works of art that are approaching architecture in an artistic way, using photography, film, painting, sculpture…

I expect works of art – and this applies fundamentally to modern/contemporary art – to be 1) multifaceted in contens and offering more possibilities of interpretation apart from their main topic; and 2) I am interested in the formal presentation – was the topic realized in an intelligent fashion?

Of course, this summary can’t claim being complete, but it’s more a continuous project. Whatever is attracting my attention will be added :-)

So – just browse the category every now and then!

Comments, advice, hints,… are welcome!!