„Und das ist Beton?“ Interview mit Mirko Stefan Elfert

26 06 2009

Vor Kurzem habe ich den Künstler Mirko Stefan Elfert vorgestellt, der mit Beton arbeitet. Ich freue mich sehr, dass er sich die Zeit genommen hat, sehr ausführlich und informativ Fragen zu seiner Arbeit zu beantworten. Im Interview gibt er Einblick in Arbeitsweise mit dem „unkünstlerischen“ Material Beton und welche Möglichkeiten es bietet, erläutert die konzeptuelle Idee hinter seinen „Erdhäusern“  und beantwortet die Frage: Warum gerade Beton?

Elfert ist derzeit Stipendiat der Otmar-Alt-Stiftung Hamm; dort werden im Herbst in der Abschlussausstellung „Landnahme“ seine jüngsten Arbeiten zu sehen sein.

Recently I introduced German artist Mirko Stefan Elfert who is working with the „unartistic“ material of concrete. I am very glad he found the time to answer questions about his work at length. In the interview, he gives insight into his working method, what artistic possibilities of expression concrete offers, as well as about the conceptual ideas of his „Earth(en) Houses“ and above all he explains: Why concrete?

The interview is written in German, yet should you want to know more about its precise contents and the artist, please feel free to contact me.

© Abbildungen Mirko Stefan Elfert

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Deconarch: Die erste Frage lässt sich ganz knapp in zwei Wörter fassen: Warum Kunst? Etwas ausführlicher gefragt: Wie haben Sie zur Kunst gefunden? Welche Möglichkeiten eröffnet sie Ihnen?

Mirko Stefan Elfert: Eine sehr schwierige Frage, die ich mir schon gar nicht mehr zu stellen wage.

schalung und inhalt  /  2008  /  holz, beton und pigmente  /  17 x 18 x 3 cm  und 14 x 14 x 4 cm

schalung und inhalt, 2008, holz, beton und pigmente, 17 x 18 x 3 cm und 14 x 14 x 4 cm

Ich gehöre nicht zu den Künstlern, in deren Biografie steht „…hat schon als Kind und Jugendlicher jeden Tag gemalt und gezeichnet, war von klein auf dazu bestimmt, Künstler zu werden…“.

Als Autodidakt habe ich mich erst spät dazu entschlossen, mein normales Leben zu beenden und das zu machen, was man als „Kunst“ bezeichnet. Ich weiß nur, dass ich Zeit meines Lebens sehr kreativ und erfinderisch war, vielleicht ist das ja auch schon Kunst.

Wahrscheinlich gibt es auch viel schönere Wörter als Kunst und Künstler, die meine Person viel treffender bezeichnen. Aber wir leben nun mal in Deutschland, und da braucht man ja bekanntlich eine Berufsbezeichnung.

Warum Kunst?

Warum Kunst? Irgendwann habe ich den Entschluss gefasst, nur noch das zu machen, was ich will.

Im Nachhinein habe ich das Gefühl, dass es kein Prozess war, sondern ein Geistesblitz, eine Erleuchtung, der Bruchteil einer Sekunde, in dem mir eine innere Stimme sagte „Mach, was du willst,   aber mach es.“ Als ich meiner Frau abends von meinem neuen Beruf erzählte, sagte sie nur: „Wenn du meinst, dann mach das…“

stahlbeton  V  /  2009  /  beton und draht  / 12 x 12 x 5 cm
stahlbeton V (ferroconcrete V), 2009, beton und draht, 12 x 12 x 5 cm

Seitdem kommen Menschen in meine Ausstellung, um zu schauen, was ich denn so den ganzen Tag über in meinem Atelier mache, welche Gedanken mich umtreiben, und was ich seither Neues geschaffen habe.

Vielleicht lebt der Kunstbetrieb ja auch gar nicht von der schillernden Figur des Künstlers, sondern vom Voyeurismus der Besucher.

Sie arbeiten mit Beton, ein Material, das zwar allgegenwärtig ist, das man aber mit Kunst nicht so recht verbinden kann. Warum Beton?

Am Anfang war es ein Ausprobieren, ein Experimentieren mit einem neuen Material – ein Versuch,  meine Gedanken mit dieser grauen Masse in Form zu bringen. Dann merkte ich aber sehr schnell, dass ich mit „mal eben versuchen“ nicht weiter kommen würde, da das Material und seine Verarbeitung von Hause aus eine gewisse Komplexität mit sich bringt. Gleichzeitig erkannte ich aber auch das Potenzial, das in der Beherrschung des Materials liegt. Ich nahm die Herausforderung an und wurde nicht enttäuscht. Im Gegenteil – genau diese phänotypischen Eigenschaften in Bezug auf Oberfläche, Struktur, Farbe und Dichte sind es, die diesen „Kunststein“ für mich so interessant und schier unerschöpflich machen.

Welche Möglichkeiten und Vorteile bietet Beton?

einschluss II  /  2009  /  beton, pigmente und echinoidia  /  12 x 12 x 5 cm

einschluss II (inclusion II), 2009, beton, pigmente und echinoidia, 12 x 12 x 5 cm

Mit Beton habe ich fast unendliche Möglichkeiten nicht nur die Form, sondern auch die endgültige Oberfläche meiner Vorstellung anzupassen. Von ganz glatten Oberflächen, mit denen ich feinste Details wiedergeben kann, bis hin zu den stark strukturierten Oberflächen mit punktuellen Einschlüssen von Fremdkörpern, wie sie bei den „Erdhäusern“ entstehen. Zwischen diesen beiden Extremen wird Beton zu einer haptischen Erlebnisreise. Immer wieder stehen Besucher in einer Ausstellung vor den kleinen Plastiken und Fragen „Und das ist Beton?“.

Der experimentelle Reiz beim Umgang mit dem Material ist auch weiterhin geblieben. Ich kann die unterschiedlichen Rezepturen variieren und dem Material bei der Formfindung gewisse Freiheiten zugestehen, so dass das Ergebnis von einem bedingt gesteuerten Zufall bestimmt wird.

Auch in Bezug auf seine Größe lässt mir das Material jede Freiheit. So kann ich mit Beton modellhafte Objekte von nur wenigen Zentimetern Kantenlänge anfertigen und diese anschließend nahezu unbegrenzt vergrößern – ohne das Material zu wechseln. Die Größe wird nur durch die zur Verfügung stehenden technischen Möglichkeiten begrenzt.

Neben den fast unbegrenzten Vorteilen, die mir das Material als Künstler beim Gestalten und der Formgebung bietet, ergeben sich natürlich auch sehr praktische Vorteile. Das fängt bei der einfachen  Verfügbarkeit des Materials an und endet nicht zuletzt auch beim ökonomischen Vorteil des Materials.

Wie läuft die Arbeit mit Beton ab?

stahlbeton XII  /  2009  /   beton, pigmente und draht  /  12 x 12 x 5 cm
stahlbeton XII (ferroconcrete XII), 2009, beton, pigmente und draht, 12 x 12 x 5 cm

Am Anfang steht natürlich die Idee, der Gedanke, den man in eine plastische Form bringen möchte, das geistige Bild, das ich vor Augen habe. Dann dauert es ein paar Tage, bis das Werk in meinem Kopf gereift ist. Das kann auch schon einmal ein paar Wochen dauern, ist aber die Ausnahme.

Gelegentlich fertige ich kleine Muster an, um zu schauen, ob sich die verschiedene Materialien miteinander vertragen, optisch harmonieren, oder ob bestimmte Vorhaben überhaupt technisch umsetzbar sind und am Ende auch die Aussage widerspiegeln, um die es mir bei dem Werk geht.

Wenn alles im grünen Bereich ist, folgt im Grunde ein handwerklicher Prozess, bei dem es darum geht, der Idee die entsprechende Form zu bauen.

Die abschließende Beurteilung kann dann erst erfolgen, wenn der Beton ausgehärtet ist, und die Schalung vorsichtig entfernt wurde.

Fertigen Sie Entwürfe an?

Skizzen oder Zeichnungen entstehen so gut wie gar nicht, höchstens ein paar Maßangaben oder Berechnungen, dann meistens auf irgendeinem Stück Holz, das in der Werkstatt oder im Atelier herumliegt, nur um später selbst mit verbaut zu werden.

Bei den zweiteiligen Arbeiten „Schalung und Inhalt“ kommt dann noch ein nächster Schritt dazu.

Das verwendete Schalungsmaterial wird gesäubert, getrocknet und neu zusammengefügt. Am Ende steht dann eine zweiteilige Arbeit, bei der die einzelnen Elemente aufeinander verweisen – „Ursache und Wirkung“ stehen im Dialog.

elfert erdhaus 2

Teil der Fotodokumentation zu "Erdhäuser" (Earth(en) Houses), Beton, je 10 x 10 x 20 cm

Bei den „Erdhäusern“ und einigen anderen „Erdarbeiten“ ist das ein wenig anders. Da geht es mehr um das Konzept, um die Aussage, die das Werk mit sich trägt. Der handwerkliche Teil ist nur das Mittel zum Zweck, nicht aber das Maß, an dem die Arbeit später zu messen oder zu beurteilen ist. Hier steht mehr der Prozess, den ich mit Fotos dokumentiere, im Vordergrund.

Wie wird dieses Konzept vermittelt?

Durch die konzeptionelle Arbeit bei den „Erdhäusern“, bei der die einzelnen „Bauabschnitte“ dokumentiert werden, habe ich die Möglichkeiten der Fotodokumentation für meine Arbeiten entdeckt und bereits bei weiteren Arbeiten („Feldkreuze“) eingesetzt. Auch hier ergänzen sich die beiden Medien Foto und Objekt, damit das Werk erst begreifbar wird. Das ist sicherlich eine Spur, die ich in Zukunft weiter verfolgen werde.

Wie finden Sie Ihre Motive und Themen?

elfert erdhaus 1

Teil der Fotodokumentation zu "Erdhäuser" (Earth(en) Houses), Beton, je 10 x 10 x 20 cm

Oftmals bauen die einzelnen Motive und Themen aufeinander auf, ergänzen sich oder sind eine logische Schlussfolgerung des Anderen. Ein schönes Beispiel hierfür sind die „Erdhäuser“.

Was hat es mit den „Erdhäusern“ auf sich?

Entstanden aus dem Wunsch, eine Verbindung zwischen Haus und Heimat herzustellen, begann ich, die Form des Hauses als Negativ in die Erde zu graben und mit Beton auszufüllen. Dadurch erhielt ich ein Betonhaus mit Abdruck des umgebenden Erdreichs. Das Haus wurde von der Erde im wahrsten Sinne des Wortes geprägt. Erde ist nichts anderes als greifbare Vergangenheit, Reste vom Gestern. Es entstand also eine Einheit aus Heimat, Ort und Vergangenheit in einem Objekt.

schalung und inhalt  /  2008  /  holz, beton und pigmente  /  56 x 13 x 5 cm und 7 x 7 x 5 cm

schalung und inhalt (casing and content), 2008, holz, beton und pigmente, 56 x 13 x 5 cm und 7 x 7 x 5 cm

Neben den Arbeiten aus Beton steht das „christliche“ Kreuz als Symbol im Mittelpunkt meines Schaffens. Bevor jetzt die Frage kommt ob ich „streng gläubig bin?“ – nein, ich mag diesen Begriff auch nicht, man kann ja auch nicht „streng lieben“.

Über diese „Erdhäuser“ und andere „Erdarbeiten“ stieß ich dann auf eine für mich sehr spannungsreiche Aussage:

„cuius regio, eius religio“ – wessen Land,
dessen Glaube

Wörter, die auf den ersten Blick archaisch und altmodisch erscheinen, erinnern sie uns doch an die dunkle Vergangenheit, als der Mensch und sein Leben mit der „Scholle“ eins war, in denen eine staatliche oder individuelle Gewalt den Boden besitzt und daraus die Herrschaft über seine Bewohner herleitet. Daraus abgeleitet erarbeitete ich mir auch die Werke und den Titel zu meiner Abschlussausstellung in der Otmar Alt Stiftung: „Landnahme“.

Ansonsten liegt es in meiner Natur, dass ich mit interessiertem Blick meine Umwelt wahrnehme und auch dort dann immer wieder Anregungen und Impulse bekomme. Das kann ein zufällig gefundenes  Objekt, eine Form oder aber auch nur ein Wort sein.

Warum die (reduzierte) Form des Hauses, in den „Erdhäusern“ aber auch in anderen Arbeiten?

Zunächst einmal zum Haus selbst: Bei meiner Darstellung reduziere ich das Haus immer auf zwei geometrische Körper, den Wohnkubus und das gleichschenkelige Dreieck als Dachform. Diese Formgebung ist zwar sehr reduziert, fast kindlich, hat aber einen, wie ich finde, hohen Wiedererkennungswert, und man kann sich daher auch leichter mit der Arbeit auseinandersetzen oder mit ihr identifizieren.

Das Haus spiegelt in meinen Arbeiten nicht nur die Wohnstätte wieder, sondern weist für mich auch immer wieder Parallelen zum Menschen selbst auf.

Haus und Mensch besitzen eine Fassade, eine äußere Erscheinungsform, mit der sie auf ihre Umwelt einwirken, mit der sie mit ihr in Kontakt treten, und mit deren Hilfe wir Rückschlüsse auf das „Innenleben“, die Bewohner des Hauses oder das Seelenleben des Menschen ziehen können, oder uns zumindest dazu verleiten lassen.

arbeitersiedlung beton, je 10 x 10 x 20 cm bodeninstallation, gesamtgröße variabel

arbeitersiedlung (industrial housing), beton, je 10 x 10 x 20 cm bodeninstallation, gesamtgröße variabel

Klein sind die Häuser, weil ich noch ein wenig Respekt vor ihrer Komplexität habe. Je mehr ich mich mit ihnen beschäftige und sie kenne, desto größer werden sie aber werden. Ich nähere mich den einzelnen Themen immer sehr vorsichtig und behutsam, sonst macht man schnell etwas kaputt.

Durch ihre „Größe“ haben die Häuser aber auch etwas Modellhaftes, sind beweglich, leicht zu versetzen und aus dem Weg zu räumen. Man schaut von oben auf sie herab – als Beobachter.

So auch bei der Serie „Erdreich“. Auch hier habe ich  kleine Häuser direkt als Negativform in das Erdreich gegraben, zusammen mit einem kleinen Stückchen „Land“/„Umland“ und mit Beton ausgegossen. Dadurch werden Haus und Land eine größere Einheit. Die Häuser stehen dort dann einzeln, zu zweit oder in kleinen Gruppen. Sie stehen getrennt oder laufen ineinander über und verweisen somit auf eventuelle Beziehungen untereinander.

Neben dem frei stehenden Haus sind dort dann auch Reihenhäuser, gefallene Häuser oder Langhäuser zu finden.

Das „Umland“ erinnert durch seine künstliche Struktur dann zuweilen an Ackerflächen, Gärten, Wege oder geebneten Flächen.

Die Betonobjekte besitzen alle die gleiche Grundfläche, ca. 15 x 15 cm und lassen sich dadurch miteinander kombinieren. Gleichzeitig verweisen sie damit auf ihre Gleichwertigkeit untereinander.

Aus den einzelnen Objekten können so ganze Landschaften entstehen. (Hier habe ich den genormten Charakter von Betonerzeugnissen aufgenommen, endlose Wiederholung und Aneinanderreihung von einzelnen Objekten.)

Eine andere Serie von Arbeiten, „Erdboden“, erzeugt durch das serielle Herstellen eines Betonabgusses der Erdoberfläche eine zweite künstliche und seitenverkehrte Oberfläche.

Auch diese einzelnen Arbeiten besitzen eine einheitliche Größe von ca. 39 x 39 x 3,5 cm und lassen sich innerhalb ihrer Modularität beliebig als Bodeninstallation auslegen.

Der Betrachter wird mit einer zweiten künstlichen Erdoberfläche konfrontiert. Diese ist auch nicht wie „normale“ Erdoberfläche weich und formbar, sondern kalt, hart und zerbrechlich. (Durch den Eingriff des Menschen in die natürliche Landschaft wird diese nicht nur in ihrer Wahrnehmung verändert, sondern gleichzeitig wird uns ihre Instabilität und Verletzlichkeit vor Augen geführt.)

Welche Rolle spielen die Titel für Ihre Arbeiten? (Wortspiele, Ironisieren,…?)

fertigbeton II beton und metall, 10 x 6 x 3 cm

fertigbeton II (ready-mixed concrete II), beton und metall, 10 x 6 x 3 cm

Werktitel sind für mich sehr wichtig, sie runden das Geschaffene ab, geben ihm den letzten Schliff und verweisen möglichst kurz und präzise auf den Kern.

Das müssen nicht unbedingt immer tiefgründige, heilsbringende Titel sein, sondern, wie z. B. bei „Fertigbeton“, ist es mehr der Wortwitz, der dem Objekt erst das Leben einhaucht.

Daneben gibt es nur eine kleine Anzahl von Werken, die keinen Titel haben. Das sind dann solche, bei denen selbst mir die Worte gefehlt haben.

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihren Arbeiten?

Ich sehe meine Kunst, meine Kunstwerke in erster Linie als ein Kommunikationsmittel.

Durch meine Werke nehme ich mit meiner Umwelt Kontakt auf, sende Signale aus. Erzähle etwas, frage und hinterfrage, suche nach Gründen und Möglichkeiten, Dinge einmal anders zu betrachten, als wir es gewohnt sind. Ich versuche, auf Besonderheiten aufmerksam zu machen.

schalung und inhalt  /  2008  /   holz, beton und pigmente  /  14 x 18 x 6 cm und 8,5 x 8,5 x 4 cm

schalung und inhalt (casing and content), 2008, holz, beton und pigmente, 14 x 18 x 6 cm und 8,5 x 8,5 x 4 cm

Kommunikation in diesem Zusammenhang heißt nicht, dass es zwischen mir und dem Betrachter eines meiner Werke einen (persönlichen) Dialog geben muss. Es reicht, wenn es zu einer Kommunikation zwischen Kunstwerk und Betrachter kommt.

Und seit Watzlawick wissen wir ja, dass wir nicht nicht kommunizieren können, und dass alles menschliche Handeln kommunikativ ist.

Gerade durch die visuelle Verbreitung der Werke im Internet kommunizieren wir ja mit einer Unzahl an unbekannten Menschen, die wir nie persönlich kennenlernen werden. Trotzdem haben wir kommuniziert – zeitversetzt und an einem Unort. Aber ab und an ergibt sich dann (wie in unserem Fall, wenn Sender und Empfänger die gleiche Sprache sprechen, auf einer Ebene kommunizieren) doch ein persönlicher Dialog.

Ich sehe da auch Parallelen zur Architektur. Bauwerke, egal ob private oder öffentliche, und quer durch die Jahrhunderte, erzählen uns etwas, teilen uns etwas mit. Teilweise war es ja auch ihre Pflicht, von Etwas kund zu tun oder für eine bestimmte Aussage zu stehen.

Kunst und Architektur sind sehr verwandte Sprachen.

Eine allgemeine Frage: Welche Bedeutung hat Architektur / gebaute Umwelt für uns?

Architektur und gebaute Umwelt haben meiner Meinung nach einen großen Einfluss auf das menschliche Sozialwesen und können sich sowohl positiv als auch negativ auf unser Miteinander auswirken. Der Mensch ist – anthropologisch gesehen – ja erst seit einer kurzen Zeit „häuslich“. Davor war er Nomade, Jäger und Sammler. Das Jagen und Sammeln hat der moderne Mensch mit „Shoppen“ kompensieren können, er wurde zum „Schnäppchenjäger“. Das Nomadentum findet sich zwischen Lenkrad und Auspuff wieder.

schalung und inhalt  /  2008  /  holz, beton und pigmente  / 20 x 9 x 2,5 cm und 3 x 2,5 cm

schalung und inhalt (casing and content), 2008, holz, beton und pigmente, 20 x 9 x 2,5 cm und 3 x 2,5 cm

Und irgendwo dazwischen brauchen wir Platz für unsere eigene kleine Höhle, die wir von Zeit zu Zeit aufsuchen, um unsere Seele zu entstauben.

Durchdachte Architektur, Stadtplanung und Landschaftsgestaltung kann uns helfen, mit diesen Erscheinungsformen der Zivilisationsgesellschaft besser umgehen zu können. Sie sollte uns Freiräume und Oasen schaffen.

Wer und/oder was beeinflusst Ihre Arbeit? Gibt es Vorbilder?

Vorbilder gibt es nicht, mag ich auch nicht.

Wenn man Vorbilder hat, ist es nicht mehr weit bis zum Abbild, zur Kopie.

Was ist Ihrer Meinung nach charakteristisch für Ihre Arbeiten?

Kreativität?

Mirko Stefan Elfert, herzlichen Dank für das ausführliche und informative Interview!!





Silent witnesses of a feudal past: Vicki Topaz portrays French pigeonries

25 06 2009

An unusual motive has chosen San Francisco based photographer Vicki Topaz for her series „Silent Nests„: Over the course of several years, she has documented old noble pigeonries in North-Eastern France, Normandy and Brittany.  Even though hardly noticed today, these buildings look back on an intriguing history as former icons of nobility, from the 13th century until the French Revolution.

Illustrations by Vicki Topaz

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18th c. Pigeonnier, La Chapelle-sur-Dun, France

The possession of pigeons has long been a privilege of the noblemen, a symbol of aristocratic wealth, power, and landownership. Their possession was ruled by strict laws, constraining how many pigeon couples where allowed. 

To house the birds, magnificent castle tower-like structures were constructed. From the 13th century until the 1789 French Revolution, ten thousands of these pigeonries existed in Northern France, yet today only a few hundred remain. After the French Revolution, many „pigeonniers“ were destroyed as symbols of the feudal past.

Today, thse dovecotes are often ruinous and run-down. Nevertheless they are remarkable architectural witnesses of the past and part of the French cultural heritage. Topaz’ black and white photographs – the first photographical exploration of the topic – capture the amazing presence of these astonishing edifices and show striking portrays of these particular bird houses. They are both a photo documentation of an unusal architectural building type and of French histroy, as well as they give aesthetic witness of past and transience, history and lost worlds, but also permance and persistence against all odds – some „pigeonniers“ are still inhabited by pigeons.

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15th c. Pigeonnier, Guernachanay, France
Vicki Topaz, 15th c. Pigeonnier, Guernachanay, France

About the still vital attraction of these pigeonries, the photographer Topaz recounts:

(abridged text)

16th c. Pigeonnier, Gerponville, France

Vicki Topaz, 16th c. Pigeonnier, Gerponville, France

They feel haunted by their past histories. At the same time, pigeonniers are very inviting, and some are still inhabited by a few pigeons. These structures retain, too, some of the sweetness of their former occupants, of the characteristics of these birds—their gentleness, loyalty, nesting and social instincts, and ability to hone in on home.

Their decline has touched me as it embodies the loss we all may  experience through life changes, decay, and the death of loved ones. The pigeonniers’ survival represents the continuity of objects long after their builders have gone, reflecting our shared history. I find this continuity a measure of reassurance.

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An English and French publication of „Silent Nests“ will be available soon, edited by Heidelberg based publisher Kehrer Verlag, including an essay on the history of French pigeonnries by Doreen Schmid and Gilles Boussard. It is Topaz’ first monograph.

More information here.





SPACES photographed by Birgit Neiser

19 06 2009

And another exhibition – photos, of course – that sounds interesting. Actually it is 2 exhibits by the same photographer, Birgit Neiser, though on either „side“ of the globe – one in Germany, the other one in Sydney.

Birgit Neiser Steel Works 2008 aus der Serie Spaces kaschiert auf Aluminium Dibond unter Acryglas 85cm x 128cm

Birgit Neiser, Steel Works, 2008 (from: Spaces), 85 cm x 128 cm

Birgit Neiser SPACES

part of a group exhibit at Kunsthalle Hammans, Warngau

20. Juni – 15. September 2009

German photographer Birgit Neiser offers new perspectives on various SPACES in urban and industrial environments.  Thus she is providing room to different spaces: Using multiple exposures and specific light conditions, she later overlays several takes, editing the image digitally to improve all parts of it. The resulting images glow in full depth. The viewer experiences an unfamiliar perception of spaces he/she would usually not deign to look at.

Birgit Neiser, Gas Station, 2008 (from: Spaces), 85cm x 128cm

Birgit Neiser, Gas Station, 2008 (from: Spaces), 85cm x 128cm

In Sydney, Neiser presents another series, not actually thematizing architecture, but another particular space:

Sorting the catch © Birgit Neiser 2008

Sorting the catch © Birgit Neiser 2008

Birgit Neiser in Sydney

„CAUGHT – Photographs of Life at the Sydney Fish Market“

The Mosman Art Gallery in association with the Sydney Fish Market

13 June – 26 July 2009

Neiser has captured the essence of life and work at the largest working seafood market in the southern hemisphere, documenting its vibrant atmosphere and the life behind the scenes at one of Sydney’s premiere, harbourside locations. Neiser spent c. 3 years observing and recording life at the Fish Markets, since she and her family have settled in Sydney/Mosman in 2003.





Christoph Studinka’s Face of New York and Stefan Heyne’s Blind Spot_2 Photo Exhibits in Zurich and Cologne

18 06 2009

Two exhibitions in Zurich and Cologne present new and unexpected views – of New York, the most photographed city in the world (or so they say), and of reduced imaginary rooms, playing with human perception.

© Christoph Studinka

© Christoph Studinka

The Face of New York – unseen vistas of the Big Apple
by Swiss photographer Christoph Studinka

Gallery See 301, Zurich / CH

Christoph Studinka’s Blog

Swiss photographer Christoph Studinka portrayed New York City during the last ten years. Of course, neither is he the first one to do so, nor will he be the last – New York is said to be the most photographed city in the world. But his b/w prints break with many preconceived ideas and clichés on the Big Apple.

© Christoph Studinka

© Christoph Studinka

Studinka,  a self-taught photographer who is working intensively in b/w besides his regular work since 2000, is interested in the moment of seeing and framing the image, which is often happening in a matter of seconds. While strolling through the chessboard of New York’s streets with his preloaded camera, – waiting, watching, searching, waiting, wondering, deciding, and instantly shooting – he experiments with photos and motives. Studinka is fascinated by New York’s greed and poetry, its success and failure, the symbols for world power and (like Ground Zero) destruction.

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Stefan Heyne EINGANG 140x93cm 2006 © VG Bild-Kunst Bonn

Stefan Heyne, EINGANG, 140 x 93cm, 2006 © VG Bild-Kunst Bonn

Stefan Heyne
Blind Spot

Kaune, Sudendorf Gallery, Cologne

Until 11. Juli 2009

Berlin artist Stefan Heyne developes imaginary rooms. Working consequently on the „interface“ between painting and photography, Heyne’s photos aren’t descriptive, not representing. Thus refusing the reproductive character of photography, Heyne’s works develop a particular autonomy.

His rooms show details not at once recognizable. Precisely calculated and highly reduced and quiet, they invite the viewer to view closely, to penetrate the unknown situation. The viewer realizes how the image becomes  a projection screen for his/her imagination.

The consistent reduction in Heyne’s photos creates a mixture of known and unknown, and raises questions on how photography works, how perception works, how the dialogue between painting and photography works.

Stefan Heyne ZIMMER 911 125x188cm 2007 © VG Bild-Kunst Bonn
Stefan Heyne: ZIMMER 911, 125 x 188cm, 2007 © VG Bild-Kunst Bonn




WOLKENKUCKUCKSHEIM | CLOUD-CUCKOO-LAND: Zum Interpretieren von Architektur

18 06 2009

The online architectural magazine WOLKENKUCKUCKSHEIM – CLOUD-CUCKOO-LAND – VOZDUSHNYI ZAMOK is usually published biannually in three languages; the abstracts of the articles are translated into German, English and Russian. The project has been edited by Eduard Fuehr at the chair ‘Theory of Architecture’ of the Brandenburg Technical University of Cottbus and alternate curators for the individual issues since October 1996.

It strives to create a ‘cloud-cuckoo-land,’ a space between the two spheres, in the field of meditative architectural theory, with practice, a flat reality can also come to converge with creative ideas. A space where thinking applies to action, construction applies to living, work applies to process and art applies to everyday life.

The present 2nd edition is:

On the Interpretation of Architecture

Applied Interpretation

Available in German, English, Russian.

‘Author’ – ‘Work’ – ‘Recipient’ and the relationship of those three entities in the context of the daily routine and in the space of time are topics being touched by each theory of interpretation that thereby develops its specific matrix.

The underlying second issue concerning the interpretation of architecture illustrates a specific approach for each individual work.

All essays can be read and downloaded for free.

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Essays included:

Heidi Helmhold Deterritorialization. The Faculty of the Humanities of the University of Cologne from the Point of View of its Users

Claus Dreyer Interpretation of Architecture as a Semiotic Programme – On Gregor Schneider’s Cube in Hamburg 2007

Andrzej Piotrowski Building as Unselfconscious Representation

Sven Martensen & Anne Gelderblom Writing Choreographies into Space

Sokratis Georgiadis Korai and Antefixes – Metamorphoses of the Human Figure in Greek Architecture and their Interpretation

Henrik Hilbig „Approaches of a New Architectural Style…“ Interpretation between Meaning and Action by the Example of Anthroposophical Architects from 1925 to 1939

Ulrike Seeger Architecture of Relationships and Interconnections – A New Approach Exemplified by the Central Railway Station in Stuttgart

Sabine Brinitzer About the Complexity of Interpreting „Organic Architecture“

Alban Janson “Presenting and Withdrawing” The Villa Müller in Prague by the Architect Adolf Loos

Christine Neuhoff The Villa Tugendhat by Mies van der Rohe. Canon und Autobiography

Ulrike Sturm ‘Against Interpretation’ – Re-Visiting the Bauhaus Building at Dessau

Lukas Zurfluh The ‘Flowing Space’ of the Barcelona Pavilion – A Metamorphosis of Interpretation?

Silke Langenberg Planned Design – Built Process. Architecture of the Sixties and Seventies

Matthias Korn A Modest Proposal for Getting to Know Architecture: Destruction. Gordon Matta-Clark’s Building Cuts

Zeuler R. Lima The Reverse of the Reverse: Another Modernism according to Lina Bo Bardi

Christine Neuhoff The Myth of Vals

Jan Pieper Critical Approach of the Architecture’s Periphery

Jörn Köppler Interpretation and the Aesthetic Experience, Discussed at the Example of the Embassy of the Netherlands in Berlin by OMA / Rem Koolhaas

Ryszard Sliwka Sublime Phenomena: Notes on the Architecture of the Horizon

Ryszard Sliwka Genetic Architecture

Anna M. Eifert-Körnig The Block Beuys – A Traditional Occurrence as Interpretation of Architecture

Katharina Lehmann The Constructed Room with its Effect on Reception and Experience of Perception

Fred Truniger The Accumulation of Images – A Cinematic Interpretation of the Landscape of England





Betonkunst | „Concrete Art“ by Mirko Stefan Elfert

15 06 2009

Beton ist das Medium von Mirko Stefan Elfert. Ein Material also, das von keiner Baustelle wegzudenken ist, das für Architekten und Ingenieure zum grundlegenden Handwerkszeug gehört und das uns im Alltag umgibt. Aber Beton als Kunstmedium?

Concrete is the medium of choice for German artist Mirko Stefan Elfert. Conrete, a medium largely known from construction sites, the essential working material for architects and engineers which is fundamental part of our (urban) everyday environment. But concrete (as) art?

Elfert presents objects made of concrete that make us discover and experience this so trivial material in a new way, he frees it of its „only“ functional context and lends it a new aesthetic quality. Together with the titles, his objects provide ironical, but also critical insights. Furthermore, Elfert thematizes the working process with concrete itself in showing cast and casing together.

© Abbildungen Mirko Stefan Elfert

arbeitersiedlung beton, je 10 x 10 x 20 cm bodeninstallation, gesamtgröße variabel

Arbeitersiedlung (Workers' Settlement), Beton, je 10 x 10 x 20 cm Bodeninstallation, Gesamtgröße variabel

Elfert, seit Ende Februar Stipendiat der Otmar Alt Stiftung in Hamm, hat jedoch den Beton für sich entdeckt. Als gelernter Straßenbauermeister ist er vertraut mit dem Material und mit der Arbeit „unterhalb der Grasnarbe“ – das lässt sich auch in seinen Erdarbeiten beobachten, um die seine aktuellen Projekte kreisen, etwa in den „Erhäusern„:

Beton wird direkt in den in einer Form ausgehobene Erdboden gegossen, in der er erstarrt und anschließend herausgelöst wird. Das Erdloch – die Negativform – wird wieder verfüllt, zurück bleibt nur die Abgussform – eine Betonplastik. Ihre Oberfläche ist stark strukturiert und beinhaltet auch Einschlüsse aus dem Erdreich.

Dieser Arbeitsprozess wird teilweise fotografisch dokumentiert und besteht aus mehreren Teilen, den Objekten und den Doku-Fotos.

elfert erdhaus 1 elfert erdhaus 2

Teil der Fotodokumentation zu Erdhäuser (Earth(en) Houses) | Beton, je 10 x 10 x 20 cm

Das Motiv des Hauses bzw. des Gebäudes, das in der Arbeit mit Beton eine der wesentlichen Erscheingungsformen darstellt, thematisiert Elfert in stark reduzierter Form in mehreren Arbeiten.

Indem die gewohnte Bauweise mit Beton auf das Material konzentriert wird, gelingt es dem Künstler, dem Alltagsmaterial neu zu begegenen. Der Beton wird herausgelöst aus der gewohnten „nur“-Funktionaltiät und in in einer neuen Weise ästhetisch präsentiert. Der Betrachter kann das Material neu entdecken und wahrnehmen.

  stahlbeton I  /  2009  /  beton, pigmente und draht  /  10 x 20 x 5 cm

Stahlbeton (ferroconcrete) I / 2009 / Bbeton, Pigmente und Draht / 10 x 20 x 5 cm

In anderen Arbeiten nimmt Elfert das Arbeitsmaterial, das heute nicht mehr wegzudenken ist aus dem Alltag und sozusagen hinter allem steckt, beim Wort und rückt es in – oft ironischen – Wortspielen ins Zentrum. So präsentiert er etwa „Stahlbeton“ in einer Wandplastik oder den „Fertigbeton“ aus der Dose. Häufig ergibt das plastische Objekt zusammen mit dem Titel überraschende Einsichten.

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fertigbeton II beton und metall, 10 x 6 x 3 cm

Fertigbeton (ready-mixed concrete) II / beton und metall / 10 x 6 x 3 cm

Eine weiterer Themenbereich, mit dem sich Elfert akutell auseinandersetzt, ist Schalung und Inhalt – auch dies eine Arbeitsweise, die von der Arbeit mit Beton bekannt ist: Der flüssige Baustoff muss eingeschalt werden, um in die gewünschte Form gebracht zu werden. Dieser Arbeitsprozess wird in Elferts Arbeiten zum Thema gemacht:

schalung und inhalt  /  2008  /  holz, beton und pigmente  /  30 x 40 x 6 cm und 10 x 20 x 12 cm

Schalung und Inhalt (casing and content) / 2008 / Holz, Beton und Pigmente / 30 x 40 x 6 cm und 10 x 20 x 12 cm

Grundsätzlich mehrteilig wird in diesen Objekten das Schalungsmaterial nach dem Erstarren des Betonabgusses nicht weggeworfen, sondern zu einem eigenen Objekt zusammengesetzt, das mit der Betonform in Beziehung steht – Ursache und Wirkung. Wird der Beton etwa eingefärbt – meist arbeitet Elfert jedoch mit der typischen natürlichen Farbe des Materials -, so sind auch auf dem Schalungmaterial farbige Rückstände zu sehen.

Die so entstehenden Objekte erinnern an die geometrischen Formen minimalistischer Arbeiten.

Über einen Atelierbesuch bei Mirko Stefan Elfert berichtet Dr. Michael Piepenstock hier.





Im Jahr der kleinen Häuser Fotoarbeiten von Wigald Boning

13 06 2009

Eine überraschende Entdeckung habe ich vor Kurzem gemacht, als ich zur Ausstellung von Th. Lüttgens und Chr. Strogalski im Epson Kunstbetrieb Düsseldorf recherchiert habe. Mitte Mai wurden dort für 2 Wochen Fotografien von Wigald Boning gezeigt. Und tatsächlich lag da nicht nur eine Namensgleichheit vor, sondern es handelt sich wirklich um den Wigald Boning, der als Komiker bei RTL Samstag Nacht bekannt geworden ist.

It came as a little surprise when I discovered that German comedian and singer Wigald Boning has had his first photography exhibition in Düsseldorf. Quite well-known on stage and TV, the first associations are rather restrained – and yes, certainly a famous name can and does open doors. But actually it does not facilitate valuing the photographs. Significantly, all online reviews start with noting Boning’s stage career, but write rather little about the photos themselves.

Yet, the photos do develop a strong aesthetic attitude and show the photographer’s talent for motives, perspectives, play of colours and composition.

Boning, who’s interested in photography in general, and in architecture photography in particular, since his teens, has portrayed „Small Houses“ all over the world – and captured the strange aesthetics of banal.

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Wigald Boning, Tiflis Telefon 01

Wigald Boning, Tiflis Telefon 01

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Im Jahr der kleinen Häuser

Fotoarbeiten von Wigald Boning

Der Epson Kunstbetrieb zeigt mit den Fotografien von Wigald Boning ungewöhnliche Blickwinkel auf Bekanntes

16. bis 31. Mai, Epson Kunstbetrieb Düsseldorf

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Wigald Boning, Kleine Häuser

Ein Multitalent nicht nur auf der Bühne, wie es scheint. Dennoch, die erste Reaktion dürfte wohl eher gewesen sein „Jetzt fotografiert er auch noch“ (in Anlehnung an eine andere deutsche Moderatorin, die ihr erstes Album entsprechend getitelt hat). Und ein bekannter Name dürfte mit Sicherheit viele Türen öffnen auch in Bereichen, in denen man bislang weniger aktiv war. Trotzdem wird er es nicht leichter machen, als Fotograf ernstgenommen zu werden, eher im Gegenteil – die Fotoarbeiten werden zunächst weniger als eigenständige Werkgruppe angesehen (und anerkannt), sondern vor dem Bekanntheitsgrad gewertet: sämtliche Berichte, die online zu finden sind, steigen mit dem Hinweis auf Bonings Tätigkeiten als Sänger und Moderator ein. (Und ja, auch dieser Artikel stellt keine Ausnahme dar. ;-) )

Die Arbeiten selbst sind jedoch durchaus stark und haben ästhetische Ansichten eingefangen, die einen guten Blick für Motive, für Farbenspiele, Perspektive und Komposition verraten.

Boning fotografiert bereits seit seinem 13. Lebensjahr und hat 2 Jahre später ein Berufspraktikum bei Fotograf Norbert Gerdes, Schöpfer klassischer Portraits von Jazzmusikern, gemacht und sich bisher seither leidenschaftlich mit Architekturfotografie beschäftigt.

Eine Auswahl der Fotografien findet sich hier und hier.

Im Jahr der kleinen Häuser

Wigald Boning, Kleine Häuser

Wigald Boning, Kleine Häuser

Ein Jahr lang fotografierte Boning kleine Häuser in aller Welt. Kleine Häuser, das sind Telefonzellen oder Unterstände, Stromkästen, Wohnhütten für Menschen und Tiere, in Tiflis, Italien oder dem Allgäu. Der Künstler spürte der motivischen Breite dieser kleinen, alltäglichen Objekte und Räume nach, die in der Regel selten eines zweiten Blickes gewürdigt werden, obwohl sie gerade in ihrer Unauffälligkeit ihren Reiz entwickeln können, wie sich vor allem in der Reihung ähnlicher Gegenstände zeigt, ein gestalterisches Prinzip, dessen sich Boning als „Sammler von ähnlichen Motiven“ immer wieder bedient.

Gerade die (fotografische) Begegnung mit Alltäglichem, Banalem, „Hässlichem“ entfaltet oft überraschende Ansichten. „Der hohe ästhetische Reiz dieser auf den ersten Blick banalen Objekte wie Stromkästen und Telefonzellen fasziniert mich“, so Boning.

Kleine Häuser 01

Wigald Boning, Kleine Häuser 01

Viele der Bilder haben auch Geschichten zu erzählen, so etwa das kleine Polizeihaus, das mehr ein Verschlag ist:

((zitiert aus dem PR-Text des Epson Kunstbetriebs))

Die Stadt Tiflis in Georgien, nahe des Präsidentenpalasts. Auf einem winzigen Verschlag aus Holz und Kunststoffplanen ist das Wort „Police“ mit schwarzer Farbe gesprüht. Wigald Boning hat dieses kleine Polizeihäuschen fotografiert – nachdem er stundenlang darin festgehalten wurde. Gemeinsam mit einem Freund hatte er unwissend widerrechtlich versucht, die Baustelle des präsidialen Palastes aufzunehmen. Ein kleines Haus, ein Bild, eine Geschichte. Ein Bild von vielen eindrucksvollen Fotografien, die Wigald Boning im Laufe des Jahres 2008 weltweit aufgenommen hat.

In Düsseldorf wurden erstmals die 53 besten Arbeiten dieses Fotoprojekts in drei Werkgruppen – kleine Häuser, Telefonzellen und Stromkästen – gezeigt.





Mannheim, Düsseldorf, Berlin: Three exhibits in Germany presenting Architecture Photography

11 06 2009

Neues aus der Welt der Galerien: Drei Fotoausstellungen in ganz Deutschland zeigen Architekturfotografien.

News from the galleries: Three photo exhibits in Germany present architecture photography.


Jörg Schmiedekind Neukölln 1

Jörg Schmiedekind Neukölln 1 © Jörg Schmiedekind

Jörg Schmiedekind: Neukölln – Stadtfotografie

12.06.2009 – 18.07.2009

Galerie En passant, Berlin

Jörg Schmiedekind, ausgebildeter Architekt, arbeitet seit 2005 verstärkt auch als Fotograf. Sein besonderes Interesse gilt dabei dem Alltäglichen, Banalen, nicht dem Spektakulären und Besonderen.

„Mir geht es um die Darstellung alltäglicher Orte und ihrer Brüche. Dabei bediene ich mich der Stilmittel der Dokumentarfotografie – wohl wissend, dass Bildausschnitt und Bildaufbau immer eine subjektive Aussage darstellen.“

In der Serie „Neukölln“ (entstanden zwischen Dezember 2007 und April 2008) tut Schmiedekind eben dies: Er spürt dem Berliner Stadtviertel nach – fernab von Schlagzeilen und Schreckensnachrichten. In sorgfältig gestalteten Bildern konzentriert den Blick auf die Bebauung und den von ihr geschaffenen Stadtraum, zeigt Schilder, Ampeln, Leuchten, Verteilerkästen, Poller, Autos, Werbung etc. Durch die körperliche Abwesenheit der Menschen beginnen die Dinge für sich selbst zu sprechen.

Jörg Schmiedekind: Neukölln © J. Schmiedekind

Herausgelöst aus dem Alltag werden die alltäglichen Innenstadtlandschaften so zu Bühnenbildern, in denen das soziale Leben geschieht. Ob Wechselwirkungen zwischen Bühnenbild und den meist nicht sichtbaren Akteuren bestehen, bleibt dem Betrachter überlassen.

Dementsprechend ist alles im Bild gleich wichtig, die diffusen Lichtverhältnisse sind bewusst eingesetzt:Nicht um eine bestimmte Stimmung zu schaffen; vielmehr wird durch unterschiedliche Schärfe oder differenziertes Licht nicht akzentuiert oder betont.

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7. Juni 2009 – 24. Mai 2010

Museum Zeughaus C5 I Forum Internationale Photographie

20 Jahre Fall der Berliner Mauer: Zu diesem Anlass werden in Mannheim Arbeiten von Robert Häusser (*1924 in Stuttgart) gezeigt.

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© Robert Häusser

In der ersten Zeit des Mauerbaus hielt sich Häusser im Westsektor Berlins auf und fotografierte die Berliner Mauer: Es entstand ein  Bilderzyklus, der eindringlich die Mauer als Physiognomie, Ausdruck und Brutalität des Systems zeigt. Seine Aufnahmen in scharfen Schwarz-Weiß-Kontrasten udn mit strengen Frontalansichten sind jedoch nicht nur zeitgeschichtliche Dokumente deutschdeutscher Geschichte, sondern zeigen auch die persönlicht Sichtweise des Künstlers: in der Darstellung der Häuserfronten, Eingänge, Fenster sowie der Menschen und Dinge im Umfeld der Mauer.

In der Ausstellung sind  vierundzwanzig großformatige Schwarz-Weiß-Bilder zu sehen, denen denkwürdige Zitate bekannter Politiker und Künstler gegenübergestellt werden, etwa von John F. Kennedy, Willy Brandt, Martin Luther King und Richard von Weizsäcker.

Robert Häusser wurde 1995 mit dem Hasselblad Foundation International Award in Photography ausgezeichent. Seit 2002 ist sein gesamtes fotografisches Werk an die Reiss-Engelhorn-Museen gestiftet worden. Der Künstler lebt und arbeitet heute in Mannheim.

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Wolfgang Lüttgens, Atelierbild 06.14, 2006 © W. Lüttgens

Vom Innen und Außen.
Fotoarbeiten von Wolfgang Lüttgens und Thomas Strogalsk

05. Juni bis 01. August 2009

www.epson-kunstbetrieb.de Düsseldorf

Die Bildwelten zweier Fotografen, die recht unterschiedliche Ansätze verfolgen, werden in Düsseldorf in einem gemeinsamen Ausstellungsprojekt gezeigt: Thomas Strogalski ist Berufsfotograf, während Wolfgang Lüttgens die Fotografie als künstlerisches Medium benutzt: Lüttgens komponiert aus diversen Fotofragmenten eine eigene digitale Bildwelt, während Strogalski ausgehend von einem digital fotografierten Bild als Vorlage in unzähligen Schritten eine ebenfalls neue Bildwelt gestaltet.

((Infos aus der PR-Mitteilung))

Wolfgang Lüttgens ist ein Grenzgänger zwischen realen und imaginären Räumen. In seinen Werken befragt und hinterfragt er die Realität, spielt mit ihren Darstellungsmöglichkeiten und gibt ihr neue Erscheinungsformen. Ausgangspunkt der fotografischen Arbeiten ist die Momentaufnahme eines räumlichen Ambientes. Lüttgens bevorzugt in seinen Bildern ein Format, das annähernd quadratisch ist und durch seine wenig eindeutige Form der Abstraktion hilfreich entgegen kommt. Aus mehreren Fotografien trifft er eine Auswahl und verwendet sie, ganz oder teilweise, für das angestrebte Bild.

Das digitale Bearbeiten gewährt Lüttgens großen Spielraum: Durch Verschieben einzelner Partien, durch deren Verzerren und Ändern ihrer Größe sowie durch das Anlegen unterschiedlicher Ebenen gelangt Lüttgens zu verschachtelten, inkongruenten Räumlichkeiten.

Bei einigen neuen Arbeiten tritt Farbe als rein abstrakte Fläche in Lüttgens Bilder. Zu dieser Wirkung gelangt der Künstler zusätzlich dadurch, dass er Inkjet-Drucke herstellt, deren Oberfläche matt ist. Mit Hilfe dieser Technik erhalten die Fotos eine erstaunlich malerische Qualität. Der Betrachter kann mitunter kaum unterscheiden, ob das Bild und insbesondere die abstrakte Fläche fotografischen Ursprungs ist oder aber handwerklich gemalt wurde.

Thomas Strogalski, Landscape #1, 2008 © Th. Strogalski

Thomas Strogalski, ausgebildeter Profifotograf, Mitglied des Bundes Freischaffender Fotodesigner (BFF) und mehrfach für seine Arbeiten ausgezeichnet, sorgt v.a. mit seinen Autowerbe- und Landschaftsfotografien international für Furore. Er inszeniert Außenszenarien mit großer Akribie. Kleinste Details seiner großformatigen Arbeiten scheinen für diesen einen Moment der Belichtung kreiert worden zu sein – sind aber das Ergebnis aufwändiger digitaler Postproduktion. Landschaften und Szenerien werden mit einer bewussten Künstlichkeit versehen, die das endgültige Werk von der „Aufnahme eines Momentes“ zu einem „Status der Ewigkeit“ transformiert.

Interessant bei den Arbeiten von Thomas Strogalski ist auch die Verwendung mehrerer Assoziationsebenen – ein Ergebnis der teilweise überwältigenden Detailfülle seiner Arbeiten. Aus mehreren Metern Betrachtungsabstand wirken die Bilder ungleich anders als „bei näherer Betrachtung“, bei der sich dem Auge viele kleine „Unterwelten“ eröffnen.





Modernism in Germany: Weissenhofsieldung Stuttgart Weissenhofmuseum im Haus Le Corbusier

9 06 2009

Ende Oktober 2006 wurde das Museum zur Geschichte der weltbekannten Weissenhofsiedlung von 1927 in Stuttgart eröffnet. Das kleine, feine Museum ist untergebracht in einem der bekanntesten Häuser der Architektursiedlung, dem Doppelhaus von Le Corbusier und Pierre Jeanneret in der Rathenaustraße.

Abbildung SK

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Le Corbusier/Jeanneret: Doppelhaus | Weissenhofmuseum

The Museum about the history of the renowned Weissenhofsiedlung (1927) in Stuttgart/Germany opened in October 2006. The small, but excellent museum is situated in on of the best known houses: the semi-detachted house by Le Corbusier and Pierre Jeanneret. The left half of the building provides an exhibition about the history of the settlement, the right half is reconstructed in the shape the architects designed in 1927. Thus it is the first house being accesible to the public since the exhibi in 1927 (the others being inhabited or destroyed). Together with a stroll through the Siedlung the Weissenhof provides a first hand experience of modern architecture: the list of the participating architects reads like a „Who’s who“ of modernism.

((This article has been published online already, yet is now offline due to system changes of the website. I wrote it some time ago after a visit to Stuttgart.))

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Le Corbusier/Jeanneret: Doppelhaus | Weissenhofmuseum

Während in der linken Haushälfte eine Ausstellung über die Geschichte der Architektursiedlung informiert, wurde die rechte Doppelhaushälfte in vier jähriger Renovierungsarbeit so rekonstruiert, wie sie die Architekten 1927 entworfen hatten. Damit ist erstmals seit 1927 wieder ein Gebäude der Weissenhofsiedlung der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich.

Die Weissenhofsiedlung

Die Weissenhofsiedlung, eines der wichtigsten Zeugnisse der modernen Architektur, entstand 1927 im Rahmen einer Ausstellung des Deutschen Werkbundes. Unter dem Thema „Die Wohnung“ wurden 17 Architekten des Neuen Bauens eingeladen, Modellbauten für den „modernen Großstadtmenschen“ zu entwerfen.

Die Teilnehmerliste der Werkbund-Ausstellung liest sich heute wie ein „Who’s Who“ der modernen Architektur des 20. Jahrhunderts. Unter der Leitung von Mies van der Rohe haben neben Le Corbusier und Pierre Jeanneret unter anderem auch Walter Gropius, Ludwig Hilberseimer, Hans Scharoun, J.J.P. Oud, Bruno und Max Taut Häuser auf dem Stuttgarter Killesberg gebaut. Entstanden sind Prototypen aus richtungsweisenden neuen Materialien und Methoden für die moderne Verbindung von Ästhetik und Funktionalität.

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Le Corbusier/Jeanneret: Doppelhaus | Weissenhofmuseum

Bei den Zeitgenossen erregte die Weissenhofsiedlung außerordentliche Aufmerksamkeit. Praktisch erfolgreich allerdings waren nicht alle Häuser – nach dem Ende der Ausstellung sollten die Bauten vermietet werden: Für das innovative Doppelhaus von Le Corbusier etwa, in dem heute das Museum untergebracht ist, fanden sich erst nach längerer Suche Bewohner, die darüber hinaus die Inneneinteilung des Hauses grundlegend umgestalteten.

Im Zweiten Weltkrieg wurden viele Gebäude der Weissenhofsiedlung zerstört, weitere nach Kriegsende abgerissen oder in konventioneller Bauweise umgebaut. Von den 33 modernen Bauten sind heute noch 11 Häuser original erhalten. Die Siedlung steht seit 1958 unter Denkmalschutz. Bis auf das Doppelhaus von Le Corbusier/Jeanneret sind alle Gebäude heute bewohnt und daher nicht öffentlich zugänglich.

Eine virtuelle Tour durch die Weissenhofsiedlung gibt es hier.

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Blick aus dem Weissenhofmuseum / vom Killesberg auf Stuttgart

Das Weissenhofmuseum

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Im Weissenhofmuseum

Einen Überblick über die Geschichte der Weissenhofsiedlung von 1927, ihre Entstehungsgeschichte, den Ausstellungsverlauf sowie ihr Schicksal danach bis heute, vermittelt das Informationszentrum des neuen Museums. Mit Hilfe von Schauwänden, zahlreichen Modellen und beweglichen Info-Schubladen nutzt die Ausstellung die verhältnismäßig kleine Schaufläche in der linken Doppelhaushälfte des Le Corbusier/Jeanneret-Gebäudes gewinnbringend – letztendlich handelt es sich um eine 3-Zimmer-Küche-Bad-Wohnung.

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Trennung zwischen den beiden Doppelhaushälften

Glasstellwände und Markierungen auf dem Boden deuten die ursprüngliche Raumeinteilung an ohne dabei die Veränderungen, die seit den 1930er Jahren durchgeführt wurden, rückgängig zu machen.

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Im Weissenhofmuseum

Die originale Raumgestaltung der Architekten kann dagegen in der rechten Haushälfte erlebt werden, die über die Dachterrasse erreicht wird. Hier wurden die Farbgebung und der Großteil der Einrichtung nach Le Corbusier/Jeanneret rekonstruiert. Der Besucher erhält einen Eindruck des Hauses, wie ihn auch die Besucher der Werkbundausstellung 1927 gewonnen haben.

Über eine Treppe gelangt man vom Ober-/Dachgeschoss in den ersten Stock, dem eigentlichen Wohnbereich des Gebäudes; im Erdgeschoss befinden sich Haushaltsräume und ein Dienstmädchenzimmer (! was eigentlich den sozialen Anliegen der Zeit widerspricht !), im zweiten Stock eine Büro-Nische sowie die Dachterrasse.

Le Corbusier/Jeanneret-Bau: Fünf Punkte und Maschinenästhetik (Zug)

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Dachgarten Weissenhofmuseum

Das Gebäude ist gemäß der Fünf Punkte Le Corbusiers gestaltet, die er für die Werkbund-Ausstellung erstmals auch schriftlich formuliert hatte: Ein Stützensystem aus Pilotis (Punkt 1) ermöglicht freie Grundriss- und Fassadengestaltung (Punkt 3+5) mit Längsfenstern (Punkt 4) und Dachgarten (Punkt 4).

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Im Weissenhofmuseum

Gestalterisches Leitmotiv für das transformable Haus ist ein Zugabteil: Drei Zimmer bilden einen großen zusammenhängenden Raum, der durch bewegliche Schiebewände in kleinere Zimmer unterteilt werden kann. Ausgestattet mit Einbaumöbeln können diese Räume nach Bedarf in Schlafzimmer umgewandelt werden – ganz im Sinne des Schlafwagen eines Zuges, in dem „Wohnen“ und „Schlafen“ im gleichen Abteil geschieht, das durch wenige Handgriffe umgestaltet wird.

Verbunden werden die Räume „hinten“ durch einen schmalen Gang, der für den heutigen Besucher erstaunlich eng ist, aber ganz der Logik eines Zugwaggons entspricht: Lediglich für die nächtliche Nutzung gedacht führt er zu den sanitären Anlagen. Nach „vorne“ eröffnet sich aus dem Wohnbereich durch die durchgehenden Längsfenster ein eindrucksvoller Panoramablick über die Stadt.

P9020132Die Erfahrung der Gesamtraumwirkung des Doppelhauses sowie die kleinen Details, die nur vor Ort zu beobachten sind, lassen den Besuch im Weissenhof zu einem spannenden Erlebnis werden. So überrascht den Besucher, dass das innovative und mittlerweile weltberühmte Baukonzept Le Corbusiers und Jeannerets doch gemischte Gefühle weckt: Die Innenräume sind kleiner als von außen erwartet, der lange enge Gang und die nüchtern-kalten Einbaumöbel wirken wenig wohnlich. Zugleich wirken jedoch die langen Fensterbänder und der Dachgarten auch heute noch erstaunlich modern und fortschrittlich.

Rundgang durch die Weissenhofsiedlung heute

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Reihenhaus von J. J. P. Oud | Eingangsfront, heute Rückseite

Unbedingt anschließen sollte man nach dem Besuch im Weissenhofmuseum einen Rundgang durch die Siedlung selbst.

Auch hier gilt: Das Erlebnis des Gesamtensembles vor Ort lässt sich von keiner noch so detaillierten Beschreibung ersetzen. Interessant zu beobachten ist, wie die elf noch erhaltenen Werkbund-Häuser im Laufe der Zeit den Bedürfnissen ihrer Bewohner angepasst worden sind.

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Reihenhaus von J. J. P. Oud | Rückfront, heute Eingang

Der Eingang von Ouds Reihenhäuser etwa wurde nach „hinten“ an die Straße verlegt, während van der Rohes Wohnblock durch zusätzliche Isolierung „dicker“ geworden ist – deutlich sichtbar an den verkürzten Fenstergittern. Gerade der Mies-Bau wurde stark verändert und ist zu einem am besten angenommenen Häuser der Siedlung geworden. Leichte Ironie der Zeit: Die teilweise enormen Eingriffe in die Bausubstanz sind für den Architekturhistoriker ein Graus, während sie die Absicht des Architekten, einen Nutzbau zu schaffen, der von seinen Bewohnern nach ihren Wünschen mitgestaltet werden kann, bestens erfüllen.

Wohnblock von Mies van der Rohe

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Le Corbusier/Jeanneret: Einfamilienhaus "Haus Citrohan", neben Doppelhaus

Ein weiteres (Einfamilien-)Haus von Le Corbusier und Jeanneret neben dem Doppelhaus ist übrigens die erste Realisierung des sogenannten Haus Citrohan, der Prototyp für Le Corbusiers Wohnmaschinen.

Bemerkenswert ist auch der Kontrast, wo moderne Bauten zwischen später errichteten Häusern stehen und sich die Reaktionen der Bewohner auf die innovative Architektur erkennen lässt: Nachdem zunächst anstelle der zerstörten Häuser traditionelle Gebäude mit „ordentlichem“ Satteldach errichtet wurden, werden etwas später wohlwollender die Neubauten angepasst und mit Flachdach ausgestattet.

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Hans Scharoun: Einfamilienhaus

Darüber hinaus sind es gerade die kleineren Details, die Rückschlüsse auf das alltägliche Leben der ersten Weissenhof-Bewohner geben und den

Vor-Ort-Besuch zum unersetzlichen Erlebnis machen: So etwa die Vorhangstangen auf dem Balkon des Scharoun-Hauses, das den Bewohnern ungestörte Frühgymnastik an der freien Luft gemäß des anthroposophisch-ganzheitlichen Lebensideals ermöglichen sollte, oder der zentral gelegene Milchladen, der leicht verderbliche Lebensmittel anbot – den ersten europäische Kühlschrank gab es erst 1929.

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Hans Scharoun: Einfamilienhaus

Ein Besuch im Weissenhofmuseum sowie ein Rundgang durch die Weissenhofsiedlung bietet dem Besucher Architekturgeschichte live. Spannend, aufschlussreich und interessant vermittelt das Info-Zentrum eine Überblick über die Geschichte der Siedlung, die durch den Besuch des rekonstruierten Le Corbusier/Jeanneret-Hauses abgerundet wird.

(Dieser Artikel ist bereits vor etwas längerer Zeit entstanden und war bereits online. Durch eine Systemumstellung ist er jedoch verschwunden und nicht mehr aufzurufen – daher eine mit Abbildungen ergänzte Version hier.

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Die Kochenhofsiedlung

P9020169Nur wenige Meter entfernt von der Weissenhofsiedlung befindet sich eine weitere architekturhistorisch interessante Siedlung: Die Kochenhofsiedlung wurd 1933 unter Paul Schmitthenner errichtet als traditionalistisches Gegenstück zum modernen „Kameldorf“ im Weissenhof. Aus diesem Grund wird die Kochenhofsiedlung auch weniger häufig erwähnt. Vor einer vorschnellen Verurteilung sei jedoch gewarnt, da die Planungen bereits 1927, parallel zum Weissenhof begannen. Die nationalsozialistische „Machtergreifung“ hat jedoch eine besonders „traditionalistische“ Version dieser Modellbausiedlung – Satteldachpflicht“ – möglich gemacht.

Weitere Informationen über die Kochenhofsiedlung hier.






Dance and Space: The Geometry of Separation

6 06 2009

While in Berlin, I happened to get hold of a flyer whose title caught my eye: The Geometry of Separation. Actually not an exhibition, but a dance performance by Riki von Falken and Mareike Engelhardt taking place on 3 evenings at the end of May, in Radialsystem V Berlin.  Even though I had to leave earlier and thus couldn’t see the show, the project description sounds like an interesting approach to the space, room, and architectural structure.

Of course, as a performance art, dancing differs from the visual arts insofar that it is space-consuming per se: the dancers need a stage to perform (being it the classical theater stage, a public square, a floor,… in short: a spatial situation). What makes dancing interesting for deconarch is, whether a dance performance integrates its spatial stage into the show in some way and in such making it an essential and intentional part of the representation.

The Geometry of Separation, 2009 (film still) © Franziska Schwarz

The Geometry of Separation, 2009 (film still) © Franziska Schwarz

(Information from the PR releases + the flyer)

The Geometry of Separation presents a cube, two figures, three places, four visions. The stage becomes a obscure landscape of consciousness. Body and pictorial world add to and fractionise each other – like a journey into estranged spaces, into body fragments and memories.

„Geometrie kann fast alles. Sie bezeichnet Räume, beschreibt Flächen, misst Volumen. Vor allem aber definiert die Geometrie Verhältnisse, wie das zwischen Punkten, Linien und Abständen oder auch zwischen dem Inneren und dem Äußeren.“

„Geometry can do almost everything. It confines space, describes planes, measures volumes. Above all, geometry defines relations like the ones between points, lines, and distances, or between inside and outside.

„The Geometry of Separation“ transfer this phenomenon to life.

Riki von Falken and Mareike Engelhardt present a danced parallel universe on stage and film. Two female figures of different age – each the personification of the other’s past or future: young and old age – enter a virtual dialogue: a projected film figure meets a dancing figure, yet they actually never really converge.

They are connected in being outsiders – the young female who has not yet found her place in society, the old female who is to give up her position far too early. On stage, Riki von Falken reacts to the bizarre fights of the film dancer and experiences the thus created psychic space.

Further information about the project and the performers here.