Ralf Meyer: Architektonische Nachhut (Ausstellung Stuttgart)

26 04 2009

Zur Zeit ist wieder einiges los in den Galerien und Museen – zahlreiche Ausstellungen widmen sich Fotografen, deren Fokus in irgendeiner Form um Architektur kreist. Überhaupt scheint die Fotografie das Medium der ersten Wahl zu sein, wenn es um die Auseinandersetzung mit architektonischen Strukturen geht. In den nächsten Tagen werde ich weiterhin kurze Übersichten über interessante Ausstellungsprojekte geben.

It’s a lot going on in galleries and museums recently – numerous exhibits present photographers whose work focus architecture.  And after all, photography seems like the first choice when dealing with architectonic structures. Within the next days I ‘ll give a summary of interesting exhibits (when taking place in Germany, I’ll stick  to this language, when internationally, I’ll use English.)

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Ralf Meyer, Nürnberg Zeppelintribüne © Ralf Meyer

Ralf Meyer, Nürnberg Zeppelintribüne © Ralf Meyer

Ralf Meyer:

Architektonische Nachhut

Hinterlassenschaften des National- sozialismus

30. April – 5. Juli 2009

vhs-photogalerie, Stuttgart

Die Auseinandersetzung mit dem Erbe der jüngeren Vergangenheit scheint ein aktuelles Thema zu sein (vgl. hier) – nach Bunkern jetzt die „Architektonische Nachhut“ von Ralf Meyer – eine Annäherung an die architektonischen Hinterlassenschaften des „Dritten Reiches“ in Deutschland.

„Ziel des Fotografen Ralf Meyer war es zu beobachten, auf welche Weise wir heute mit der Architektur dieser Phase unserer Geschichte umgehen. Wie sieht das Leben in und um diese Bauten herum aus, die zwischen 1933 und 1945 im Nationalsozialismus entstanden sind? (…) Wir begegnen diesen Gebäuden im Stadtbild, wohnen und arbeiten in ihnen und kaufen dort ein. Welche Wechselwirkungen entstehen durch die tägliche Konfrontation mit diesen Relikten? Architektur ist gebauter Ausdruck einer Epoche und ermöglicht dadurch Rückschlüsse auf das Denken damals und heute.“

Ralf Meyer, Berlin Flughafen Tempelhof © Ralf Meyer

Ralf Meyer, Berlin Flughafen Tempelhof © Ralf Meyer

Zu sehen ist (der Großteil) einer Sammlung von fast 150 Fotografien, die zwischen 2001 und 2005 an 30 Orten in Deutschland  entstanden sind und mehrfach ausgezeichnet wurfen. Darunter finden sich ebenso die „bekannten“ Bauten aus den 1930er und 1940er Jahren wie der Berliner Flughafen Tempelhof, das Olympiastadion und das Studio Babelsberg, der Obersalzberg, die Kosterabtei Münsterschwarzach  und das Haus der Kunst, München, aber auch (heute) gewöhnliche Nutzbauten für Ämter, Firmen, Jugendherbergen, etc.

Eine – wie mir anhand  der Foto-Galerie auf Meyers Homepage scheint – sehr intelligente Annäherung an das Thema, das zwischen Übersensibilisierung und Nichtbeachtung pendelt.

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Übrigens gibt es, was vielen Touristen nicht bekannt ist, auch im idyllischen Heidelberg so ein „dunkles Erbe“. Die Thingstätte wurde in den 1930ern als Vorzeige-Amphitheater gebaut, dann aber nicht genutzt. Heute ist sie relativ verfallen, wird aber ca. 2mal im Jahr für Konzertveranstaltungen genutzt und ist beliebt für private Ausflüge – tatsächlich (historischer Background aus:) ist das Areal sehr schön und gibt (historischer Background an:) einen sehr eindringlichen Eindruck von nationalsozialistischen Propaganda-Maschinerie, die sich nicht ohne Grund einen so idyllisch gelegenen Ort auf einem bereits zu Keltenzeiten besiedelten Berg für ihr Monumental-Projekt ausgesucht hat.

Thingstätte Heidelberg, Panorama (Quelle Wikipedia.de)

Thingstätte Heidelberg, Panorama (Quelle Wikipedia.de)


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