Nicola Meitzner: City Code. Ausstellung in Berlin

30 04 2009

Passend zum „open weekend“ der Berliner Galerien zeigt die Galerie Degenhartt in Berlin Mitte ihre neue Ausstellung:

aus der 94-teiligen Arbeit shanghai builder, inkjet-prints, 2008

Nicola Meitzner, aus shanghai builder, inkjet-prints, 2008 © N. Meitzner

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Nicola Meitzner

City Code

Fotografien

1. Mai bis 13. Juni 2009

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Gezeigt werden die neuesten Arbeiten der in Zürich lebenden Fotografin Nicola Meitzner (*1969), die das Leben in Metropolen zum Thema ihrer präzise beobachteten Arbeiten macht. In Schwarzweiß- und Farbfotografien spürt sie den Besonderheiten der verschiedenen Orte nach – zwar gleichen sich die Städte im Zuge der Globalisierung immer mehr einander an, dennoch ist jede Stadt durch unterschiedliche örtliche Gegebenheiten, verschieden schnelles Wachstum und politische Verhältnisse deutlich ausgeprägt.

Nicola Meitzner,

aus luckyland, 2005, c-print, 2005, 30 x 40 cm © N. Meitzner

(aus den Infos der Galerie:)

In der 15-teiligen, farbig fotografierten Arbeit luckyland (2005) fängt Nicola Meitzner das Leben und Treiben in Sportstätten in Sydney ein. Hier kommen Gegensatzpaare wie Spiel und Künstlichkeit, Freiheit und Begrenzung, Freizeit und Alltag zum Ausdruck. Die sommerlichen Szenen von Pferderennen, Regatten oder Skateboarding zeigen eine bis zur Modellhaftigkeit künstlich erscheinende Kulisse, vor der die Freizeitbeschäftigung weitestgehend reglementiert stattfindet.

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Erstmals in einer Galerie ausgestellt wird die Arbeit Shanghai Builder (2007/08), die Elemente der Stadt wie Verkehrswege, Gebäude, Grün und ihre Bewohner gleichsam mit dem Seziermesser in Einzelteile zerlegt. Die 94-teilige Arbeit, deren Bruchstücke auf den ersten Blick zufällig wirken, nimmt mit einer Länge von über 8 Metern zwei Wände des Galerieraums ein. Der Betrachter ist gefordert, die fast abstrakt wirkenden Teile selbst zu ordnen und zu einer eigenen Stadtwahrnehmung zusammenzufügen. In der ungewöhnlichen räumlichen Präsentation wird die Dynamik des städtischen Lebens unmittelbar erfahrbar.

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Nicola Meitzners neueste, in Hongkong fotografierte Serie Synergy (2008/09) thematisiert den Dreiklang Mensch – Urbanität – Natur. Die sieben Fotografien dieser Arbeit zeigen einen fragmentierten städtischen Kontext, welcher der Unübersichtlichkeit und Kleinteiligkeit unserer Alltagswahrnehmung entspricht. Die Fotos wirken collagenhaft bis zur Unwirklichkeit, ganz wie unser von Technik, zwanghaftem Fortschritt und Medien geprägtes Leben selbst.





Inês d’Orey: Porto Interior in Aarhus

29 04 2009

Still until 10 May 2009  you can admire Inês d’Orey’s photo series Porto Interior at Galleri Image, Aarhus (Denmark). I had the chance to see some of her work during the Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg 2007 and have thus already mentioned Porto Interior on this blog.

Inês d'Orey, Porto Interior, 80 x 80 cm, 2007 © Inês d'Orey

Inês d’Orey (*1977 in Porto), educated at the London College of Printing, won the FNAC Award for Talents in Photography in 2007. She photographs public and semi-public places in Porto, her home city, where she continues to reside. „The project had its starting point in d’Orey’s urge to examine places in the city that appear both strange and familiar; not so much ‘documenting’ Porto, therefore, as exploring the possible and impossible interiors of the city. In these photographs a sense of architectural detail, pattern and structure is combined with an eye for the very special atmosphere of place.“ (quote PR release)

D’Orey portrays the interiors of public rooms – yet while normally being crowded with people, here they are  without human presence. The sceneries, ranging from sports-halls, parking lots, hotels, stairways, foyers and the most intimate private spaces, varying in their degree of ‘recognisability’, appear strange, fascinating and unreal. By means of photographic manipulations, d’Orey alters the urban motifs to create a certain atmosphere: Her aim is to capture the spirit of place and to intensify it.

„The onlooker imagines the diversity of human activity that might normally take place in these buildings and the possible stories that emanate from them. Distanced as they are from their current human context, the passage and the wear of time become distinct entities. (…). The emerging images, poised between the real and the mysterious, make the viewer conscious in a renewed way of the physical surroundings of his/her daily life.“(quote PR release)

In Aarhus, d’Orey’s photographs are shown with a video projection that incorporates sound recordings of people using the spaces in the photographs. The absence of humans in the images, and their corresponding presence in the sound, is part of the meaning of the exhibition.

I am very glad  that Inês d’Orey found the time to answer some questions which I will share with you in an interview soon.





Dresden: UFA Cineplex von Coop Himmelb(l)au

28 04 2009

Noch ein weiterer Bau von einem dekonstruktivistischen Architektenteam ist in Dresden zu finden: Das UFA Multiplexkino von Coop Himmelb(l)au, der erste komplette Neubau, den das österreichische Architektenduo fertiggestellt hat (1998). Wie so viele Himmelb(l)aus Bauten ein sehr umstrittenes Projekt.

((Die folgenden recht ausführlichen Erläuterungen sind auch Teil meiner Arbeit (hier natürlich in stark gekürzter Form). Sollten jemand genauere Belege interessieren, bitte Bescheid geben.

Meine Kommentare in grün.))

© Fotos SK

Das Äußere…

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Blick auf "Kristall" und Betonblock

Der Kinokomplex ist aus zwei Teilen gebildet, dem Kinoblock aus Beton, in dem acht Vorführsäle untergebracht sind, und dem Kristall-Foyer. Typisch für die Coop ist der geschlossene Saalblock jedoch kein simpler Container, der die acht Kinor-Raumboxen zusammenfasst, sondern eine spitz zulaufende, vorkragende Beton-„Skulptur“, der auf einer Seite ein Gitter vorgespannt ist und die von einer öffentlichen Passage unterquert wird.

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Blicke auf die Umgebung

Das Foyer ist in einer Glas-Stahl-Konstruktion untergebracht, die wie ein unbearbeitetes Kristall-Stück schräg aus dem Boden ragt. Das Ensemble, das sich von jeder Seite anders präsentiert, wirkt an seinem prominenten Standort zwischen Dresdner Altstadt und Hauptbahnhof und umgeben von DDR-typischen Platten-Hochausscheiben der 1960er Jahre fremd und exotisch.

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Blick durch die Glasscheiben ins Innere (Spiegelung des gegenüberliegenden Rundkinos)

Innen…

Im Innern des Foyers befinden sich Treppenanlagen, zwei geknickte Aufzugstürme aus Sichtbeton, eine herabhängende, pyramidenförmige Projektionsfläche, die den Raumfluss unterteilt, sowie die „Skybar“, eine kegelförmige Seilnetzkonstruktion, in der eine Bar untergebracht ist – einer der frühesten Einsätze der Doppelkegels, der in späteren Entwürfen eine wichtige Rolle spielt. Der Raum wird bestimmt von sichtbaren Streben, Stützen und Zugstangen, von Abhängungen und Verankerungen. Die komplizierte Gestaltung wurde erst dank der computerunterstützten Entwurfspraktiken realisierbar. Die Vielzahl von sich überschneidenden und durchdringenden Raumsequenzen bietet den Besuchern des Foyers ein komplexes, aber auch verwirrendes, weil nicht mehr zentralperspektivisch erfassbares Raumerlebnis.

Da wir offenbar zu äußerst ungünstigen Zeiten vorbeischauten (später Abend, Nachmittags?), konnte ich den Kinokomplex allerdings nicht von innen begutachten.

Fließende Räume…

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Das Fließende der Räume – für die Architekten eines der wichtigsten Interessen in diesem Entwurf – beschränkt sich nicht nur auf die zirkulierende Wegeführung im Inneren des Baus, sondern entfaltet sich auch in den Stadtraum hinaus. Vom Innern des gläsernen Foyers aus sind nicht nur die Bewegungen der Menschen auf den verschiedenen Ebenen des Baus, sondern auch draußen zu beobachten. Das Foyer will keine schlichte Eingangshalle zu den Kinos sein, sondern ein Durchgangsort, der neuen Stadtraum schafft.

Ob das allerdings so erfolgreich umgesetzt wird, wie es die Konzeption vorsieht – ich habe nach meinem Besuch vor Ort Zweifel.

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Blick von "hinten" auf den Betonblock

Zugleich dringt der Stadtraum im wahrsten Sinne durch den Einsatz von rauen, unbehandelten Materialien wie Beton, Aluminiumbleche und -gitter, die als typische Stadtmaterialien gelten, in das Gebäude ein. Zudem wird der erleuchtete Glas-“Kristall“ nachts in den Stadtraum projiziert. Auf diese Weise treten Stadt und Gebäude miteinander in Dialog, so die Architekten, die Grenzen zwischen innen und außen verschwimmen und es wird ein neuer, überdachter „flüssiger“ Stadtraum geschaffen: „definiert, aber nicht abgeschlossen“.[2]

Diese Erfahrung lässt sich vor Ort schon eher bestätigen, auch wenn die Beleuchtung eher weniger kristallin war (was aber nicht dem Entwurf anzukreiden ist).

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Ein Kino als öffentlicher Raum? Coop Himmelb(l)aus Ziele…

Der Kinobau will mehr als ein monofunktionales Filmvorführhaus sein; vielmehr stand die Beschäftigung mit dem eigentlichen Zweck „Kino“ bei der Entwicklung des Entwurfs im Hintergrund. Wichtiger war die Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum, für die die Coop die beschriebenen Lösungen gefunden hat.

Damit reagieren sie nicht nur auf die besondere Lage des Kinozentrums, sondern auch auf die urbanen Probleme der Stadt: durch Nachverdichtung sollte „Dresdens Zentrum urbane Dichte und Qualität zurück[ge]geben“ werden.[3] Die Coop sah die Situation bedroht durch die häufig üblichen Verkäufe von öffentlichen Raum an private Bauunternehmen, und setzten ihren Entwurf entgegen: Durch das Verweben von urbanen Räumen, öffentlichen Innenräumen und Durchgangswegen sollte die Monofunktionaliät aufgehoben und das neue Zentrum Dresdens verdichtet werden.

Der UFA-Komplex wurde nicht nur als Kino, sondern vor allem auch als öffentlicher Raum gebaut – „kein Innenraum, sondern ein Außenraum, der zufällig abgedeckt ist“.[4]

Die Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum, die Coop Himmelb(l)au von Anfang an beschäftigt und schon hinter den aktionistischen Projekten ihrer ersten Jahre stand, wird in Dresden erstmals in einem Bauprojekt thematisiert und umgesetzt. Dieser Punkt macht den Kinosolitär jedoch auch angreifbar: Kritiker bezeichnen den Bau als „unstädtisch“, weil er zuviel formale Willkür zeige und daher als Stadtbaustein wenig geeignet sei.

Kommentar…

Gerade zu letzterer Kritik gilt aber – für meinen Geschmack: alles halb so wild. Zum einen ist der Coop’sche Bau gar nicht so groß, wie er auf Illustrationen oft wirkt, und ist daher nicht so überdominant, wie es die Kritiken beschwören wollen.

Zum anderen ist die Lage tatsächlich sehr ungünstig für einen einladend gestalteten öffentlichen Platz: sie hat etwas von einem Reststück zwischen Straße und Wohnblock“riegel“ zur Pragerstraße hin (auf den Abbildungen stellenweise im Hintergrund zu sehen. Zu diesem Wohnblock habe ich allerdings keine Informationen). Das extravagante Kino macht das Beste aus dieser ungünstigen Stelle, die sonst mehr eine „Hinterhof/Parkplatz“-Atmosphäre hätte, und verleiht ihr einen eigenen Charakter.  (Mehr hier).

Fundierter ist dagegen die Kritik, dass es stadtplanerisch unklug sei, einen Kinokomplex an einer Stelle zu konzentrieren – dies trifft erfahrungsgemäß und nicht nur für Dresden mit Sicherheit zu.

Zu einem weiteren Vorwurf, dass Ausführung des Baus eher mangelhaft sei (die Gestaltung des Innenraums sei für Nutzer unübersichtlich und erschwere die Orientierung, die Schallisolierung der Wänden zwischen den einzelnen Sälen unzureichend) kann ich nicht beurteilen. Einzuräumen ist jedoch auch, dass das gebaute UFA-Kino nur eine „Spar-Variante“ des ursprünglichen Entwurfes gewesen ist, so die Architekten (DNN vom 12.01.05).


[1] Projektbeschreibung auf www.coophimmelblau.at.

[2] Prix, Wolf D., Architektur am Ende des 20. Jahrhunderts. Vortrag von Wolf D. Prix im Rathaus Wien. 1998, in: Prix, Wolf D., Coop Himmelblau: Get off of my cloud. Texte 1968 – 2005, hrsg. von Martina Kandeler-Fritsch und Thomas Kramer, Ostfildern-Ruit 2005,S. 202.

[3] Werner, Covering + Exposing. Die Architektur von Coop Himmelb(l)aus, Basel, Berlin, Boston, 2000, S. 53.

[4] Prix, Architektur am Ende, 2005, S. 202





Architecture photographer Tuca Vieira

27 04 2009

Tuca Vieira (*1974), a young Brazilian photographer,  captures amazing shots of his native city Sao Paulo (but not only).

© photos Tuca Vieira

Tuca Vieira, Viaduto Santa Ifigênia

After having studied + graduated in languages and literature, he worked at Museu da Imagem e do Som and n-imagens photo agency. Since 1991 he is professional photographer,  among others as photographic reporter for Folha de S. Paulo. Vieira has studied with photographers Cláudio Feijó, Eduardo Castanho, Nair Benedicto and Eder Chiodetto.

Aeroporto de Congonhas

Tuca Vieira, Aeroporto de Congonhas

Tuca Vieira, Avenida Paulista

Since 2002, Vieira realizes his own projects about cityscape, architecture and urbanism in São Paulo and has received several awards. He has already participated in numerous exhibitions, in Brazil/South America, North America and Europe (e.g. his works were shown in „Multiple City“, Pinakothek der Moderne, Munich last year).

Vieira’s photos show impressive views of the city, and reveal its structure – in often amazingly aesthetic pictures.

I noticed his work first in the context of an exhibition project by the Heidelberg Kunstverein: Islands and Ghettos, where the photo below – Paraisópolis – was shown on a magazine cover as an example of urbanization developments in South America (Ghettoisation, fragmentation into isolated urban communities, etc.).

I will report more about Tuca Vieira and his work soon.

Tuca Vieira, Paraisópolis





Ralf Meyer: Architektonische Nachhut (Ausstellung Stuttgart)

26 04 2009

Zur Zeit ist wieder einiges los in den Galerien und Museen – zahlreiche Ausstellungen widmen sich Fotografen, deren Fokus in irgendeiner Form um Architektur kreist. Überhaupt scheint die Fotografie das Medium der ersten Wahl zu sein, wenn es um die Auseinandersetzung mit architektonischen Strukturen geht. In den nächsten Tagen werde ich weiterhin kurze Übersichten über interessante Ausstellungsprojekte geben.

It’s a lot going on in galleries and museums recently – numerous exhibits present photographers whose work focus architecture.  And after all, photography seems like the first choice when dealing with architectonic structures. Within the next days I ‘ll give a summary of interesting exhibits (when taking place in Germany, I’ll stick  to this language, when internationally, I’ll use English.)

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Ralf Meyer, Nürnberg Zeppelintribüne © Ralf Meyer

Ralf Meyer, Nürnberg Zeppelintribüne © Ralf Meyer

Ralf Meyer:

Architektonische Nachhut

Hinterlassenschaften des National- sozialismus

30. April – 5. Juli 2009

vhs-photogalerie, Stuttgart

Die Auseinandersetzung mit dem Erbe der jüngeren Vergangenheit scheint ein aktuelles Thema zu sein (vgl. hier) – nach Bunkern jetzt die „Architektonische Nachhut“ von Ralf Meyer – eine Annäherung an die architektonischen Hinterlassenschaften des „Dritten Reiches“ in Deutschland.

„Ziel des Fotografen Ralf Meyer war es zu beobachten, auf welche Weise wir heute mit der Architektur dieser Phase unserer Geschichte umgehen. Wie sieht das Leben in und um diese Bauten herum aus, die zwischen 1933 und 1945 im Nationalsozialismus entstanden sind? (…) Wir begegnen diesen Gebäuden im Stadtbild, wohnen und arbeiten in ihnen und kaufen dort ein. Welche Wechselwirkungen entstehen durch die tägliche Konfrontation mit diesen Relikten? Architektur ist gebauter Ausdruck einer Epoche und ermöglicht dadurch Rückschlüsse auf das Denken damals und heute.“

Ralf Meyer, Berlin Flughafen Tempelhof © Ralf Meyer

Ralf Meyer, Berlin Flughafen Tempelhof © Ralf Meyer

Zu sehen ist (der Großteil) einer Sammlung von fast 150 Fotografien, die zwischen 2001 und 2005 an 30 Orten in Deutschland  entstanden sind und mehrfach ausgezeichnet wurfen. Darunter finden sich ebenso die „bekannten“ Bauten aus den 1930er und 1940er Jahren wie der Berliner Flughafen Tempelhof, das Olympiastadion und das Studio Babelsberg, der Obersalzberg, die Kosterabtei Münsterschwarzach  und das Haus der Kunst, München, aber auch (heute) gewöhnliche Nutzbauten für Ämter, Firmen, Jugendherbergen, etc.

Eine – wie mir anhand  der Foto-Galerie auf Meyers Homepage scheint – sehr intelligente Annäherung an das Thema, das zwischen Übersensibilisierung und Nichtbeachtung pendelt.

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Übrigens gibt es, was vielen Touristen nicht bekannt ist, auch im idyllischen Heidelberg so ein „dunkles Erbe“. Die Thingstätte wurde in den 1930ern als Vorzeige-Amphitheater gebaut, dann aber nicht genutzt. Heute ist sie relativ verfallen, wird aber ca. 2mal im Jahr für Konzertveranstaltungen genutzt und ist beliebt für private Ausflüge – tatsächlich (historischer Background aus:) ist das Areal sehr schön und gibt (historischer Background an:) einen sehr eindringlichen Eindruck von nationalsozialistischen Propaganda-Maschinerie, die sich nicht ohne Grund einen so idyllisch gelegenen Ort auf einem bereits zu Keltenzeiten besiedelten Berg für ihr Monumental-Projekt ausgesucht hat.

Thingstätte Heidelberg, Panorama (Quelle Wikipedia.de)

Thingstätte Heidelberg, Panorama (Quelle Wikipedia.de)





Isabella Berr, Orte Räume Übergänge (Ausstellung in der Fotogalerie Wasserburg bei München)

25 04 2009

Eine interessante Ausstellung beginnt am Wochenende in der Fotogalerie von Karin Schneider-Henn in Wasserburg bei München, auf die ich bereits für die Schau der Butoh-Fotografien von Alexandra Paszkowska hingewiesen habe.

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Isabella Berr, frau außerhalb © Fotogalerie KSH

Isabella Berr
Orte Räume Übergänge

Ausstellung vom 26. April 2009 – 21. Juni 2009

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Isabella Berr, ferne Nähe © Fotogalerie KSH

Die Arbeiten von Isabella Berr (*1963, seit 1992 freie Fotografin) machen Randerscheinungen des Alltäglichen zum Hauptthema. Ihre weichen, verschwommenen Bilder lassen den Betrachter im Ungewissen über das, was er sieht. In den undeutlichen Szenen kann er nur noch erahnen, welche Situationen er vor sich hat. Vordergrund und Hintergrund verschmelzen, Details verschwinden. Die wie Traumsequenzen anmutenden Fotografien wecken die Bilder Assoziationen mit dem klassischen Kino, etwa dem frühen Luis Buñuuel oder Michelangelo Antonioni, liegen nahe. Berrs Fotografien faszinieren durch ihre Unschärfe, durch die sie eine fast abstrakte, aber auch malerische Qualität entwickeln. Sie gleichen einer vagen Erinnerung, einer der Wirklichkeit entrückten Zwischenwelt.

„Unschärfe ist die höchste Präzision, derer ich fähig bin.“

(Jochen Gerz, zitiert von I. Berr )

Diese Mehrdeutigkeit kommt auch in der Auswahl der Bildtitel zum Ausdruck, die Berr assoziativ gestaltet. Sie wählt Wörter oder Satzfragmente, die sich dem „Dazwischen“ nähern. Während sie oft aus literarischen Kontexten zitiert, sind andere Titel sind nur Zuweisungen oder Ortsbeschreibungen.

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Isabella Berr, Turners frau © Fotogalerie KSH

Auch die aktuelle Ausstellung „Orte Räume Übergänge“ verweist die Zwischenwelt, dem Davor-Dahinter-Dazwischen, nach dem Berr immer wieder sucht. „Räume sind in den Bildern einerseits real definiert, aber führen den Betrachter auch an Orte der eigenen Erinnerung und Empfindung. Sie beschreiben Festlegung und Auflösung, Ferne und Nähe , Realität und eigene Wahrheit“, so die Fotografin.

Berr fotografiert  durch Glasfenster oder Folie, durch Räume hindurch oder gespiegelte Situationen – ihre Bilder entstehen aus dem Moment heraus, ihre Arbeiten entstehen meist unreflektiert. „Ich sehe Situationen, spüre einen Impuls diese festzuhalten. Erst im Atelier beim Auswerten des Materials suche und finde ich das, was später das  Bild wird.“ Sie bearbeitet Bildausschnitte, ergänzt, fügt manchmal Bilder zusammen.

Auch die Ausstellungen sind nicht in sich geschlossen zu betrachten, Eher fügen sich die neu entstehenden Bilder zu den schon Vorhandenen und zeigen so immer wieder neue Aspekte.





Space and Time in Photographing Hong Kong, Martin Zeller in der Kunsthalle Mannheim

24 04 2009

Mehr als drei Jahre lebte der gebürtige Mannheimer Fotograf Martin Zeller (*1961) in Hongkong. Die Ergebnisse seines Aufenthalts in Fernost sind noch bis Anfang Mai in der Kunsthalle Mannheim zu sehen.

Martin Zeller, Pink Lady, 2004

Die Wolkenkratzerstadt Hongkong, in der sich das Leben auf engstem, hoch verdichtetem Raum abspielt, hat Zeller fasziniert: „Hongkong ist eine Stadt, die sich in die Vertikale entwickelt: Wo bei uns irgendwann nur noch Himmel ist, hat man dort immer noch Information.“ Seine Arbeiten reflektieren diese  Zuspitzung städtebaulicher, raumstruktureller und sozialer Entwicklungen. Der Stadtraum in Hongkong ist offener und ständiger Veränderung unterworfen. In seinen Nachtaufnahmen mit sehr langer Belichtungszeit erscheinen Bewegung verwischt oder vom Hintergrund überblendet.

Um dies auch in seinen Arbeiten einzufangen, hat Zeller eine eigene Bildsprache entwickelt: Er fotografiert die urbane Landschaft in extremen Hoch- und Querformaten, die er in eindrucksvollen, sich diagonal überkreuzenden Collagen aus zwei oder mehr Bildern installiert. So entsteht ein mehrperspektivischer Bildraum,d er verschiedene Anblick gleichzeitig zeigt. Grenzen lösen sich auf, die Trennung von Innen und Außen wird aufgehoben.

„Ich habe ziemlich schnell gemerkt, dass ich mit meiner vom europäischen Kulturraum geprägten Arbeit an Grenzen stoße. Ich musste mich erst einmal mit der Vorstellung von Raum und Zeit in Asien auseinandersetzen.“

Martin Zeller, vor Silent Witness, 2005, bei der Pressekonferenz 13.02.2009 in der Kunsthalle MA

Martin Zeller, vor "Silent Witness", 2005, bei der Pressekonferenz 13.02.2009 in der Kunsthalle MA

Die traditionelle chinesische Kunst kennt keine Zentralperspektive, die sich in Europa seit der Renaissance durchgesetzt hat. Vielmehr gibt es in einem Bild mehrere Perspektiven, Bildvorder-, Mittel- und Hintergrund werden jeweils gestaltet. Zudem ist das Bildformat meist das einer Papierrolle – ein Überformat im Seitenverhältnis 1:5. Beeinflusst von diesen haben Zellers Arbeiten keinen Horizont und keinen Fluchtpunkt. Die Raumwahrnehmung erscheint gleichgeordnet.

Zellers Fotografien thematisieren damit nicht nur das Stadterleben Hongkongs, sondern darüber hinaus auch die Unterschiede zwischen europäischer und asiatischer Perspektive und Raumwahrnehmung. Zeller selbst sagt: „Die Chinesen hat meine Bildfindung auch nicht überrascht. Hier ist die Irritation viel größer: Ich habe noch nie soviel über eine Ausstellung gesprochen! Ich fühle mich richtig als Übersetzer.“

((Zitate aus MEIER. Das Magazin für das Rhein-Neckar-Delta, April 2009   | © Abb. Kunsthalle Mannheim))

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Martin Zeller

Space and Time in Photographing Hongkong

14.02. – 03.05.2009





Photo exhibit at m97 Gallery, Shanghai: SUN JI „Memory City“ + LU JUN

20 04 2009

The Easter Holidays are definitely over, let’s get back to work!

For those of you who happen to travel far east, you might want to see a double photo exhibition in Shanghai:

m97 Gallery Shanghai presents the work of Lu Jun and Sun Ji (*1981).

Especially interesting for the architectural point of view is the latter, Shanghai-based artist Sun Ji’s „Memory City“. Yet both artists comment on the urban developments in Shanghai/China more or less obviously.

m97 Gallery is one of the first galleries in Shanghai dedicated to exhibiting contemporary and fine art photography. They want to present “ the most interesting and innovative photography work in China, across all genres of the medium.“

Sun Ji, Memory City II, #2, 2008

Sun Ji, Memory City II, #2, 2008

Sun Ji, Memory City I, #2, 2005

Sun Ji, Memory City I, #2, 2005

„The works in Sun Ji’s „Memory City“ are architectural collages that speak of urban transformation as destruction and displacement of the old must make way for the new; memories recreated that are both meant to be forgotten and remembered. In his first body of work „Memory City I“, Sun Ji uses his camera to create hyperrealist collages of industrial landscapes, factory facades, water towers, smoke stacks and abandoned buildings that result in works of striking scale and formality. Recreating impressions and memories from his childhood, the young Shanghainese artist began in 2005 by carefully assembling single portraits of buildings to create massive black and white compositions that surpass the physical limits of possibility but in the viewer’s imagination renders an almost plausible behemoth construction, alive yet forever a part of Shanghai’s history. In „Memory City II“, the smoke stacks and metal pipes are replaced by low-rise facades and elements of Shanghai’s lane life as the young artist’s focus shifts to the ubiquitous Shanghai urban landscape phenomenon of partially torn down residential buildings. The resulting compositions become dense, layered mountains of neighborhoods stacked one atop the other as if waiting to be leveled.“ (Ouote m97 press release)

Sun Ji himself comments on his work as follows:

All these photos are about the familiar Shanghai in my memory. When I was still a child, these types of old factories and buildings were everywhere, alive and full of vigor. However, what I used to be so familiar with has literally disappeared in front of my eyes. Being ruthless is part of human nature and so is being nostalgic. While all kinds of old things are being destroyed boldly, we are irrepressibly reluctant to part with the past. I wonder whether architectural remains from past industrial times or whether life in the old lanes of Shanghai can be completely forgotten. But Memory City is about my personal memory of Shanghai, which is real yet also full of fantasy and becoming more faint by the day.  (read more…)

Lu Jun, China Real Estate Dream, No. 6, 2006

The other part of the exhibition is devoted to Lu Jun, whose large-scale photography works use the three fundamental elements of Chinese landscape painting – water, ink, and paper – combined with techniques of modern photography to create poetic landscapes that flow in both form and color. Thus he reinterprets the most iconic forms of traditional Chinese painting.

His earlier series „Chinese Real Estate Dream“ (2006) is inspired by the real estate boom in Zhuhai (Guangdong Province) of the early 1990s:  lyrical, loose brush strokes lead the viewer’s eye downward through what appears to be an idyllic landscape. Yet upon closer examination we see that perched atop the splotches of ink resembling mountaintops sit photographs of suburban villas and modern office high-rises, a depiction of an ever rapidly urbanizing countryside.

The exhibition also presents some of his most recent works showing more abstract landscapes of ink, water, paper and photography.





Rezension: Architekturführer Graz (Buchtipp)

8 04 2009

Ob ich nicht den neuen Architekturführer von Graz rezensieren wolle, wurde ich gefragt vom Haus der Architektur ebendort, das den Führer herausgibt. Ja sicher, gerne. Aber – warum einen Architekturführer über Graz?


Graz…

Graz im südlichen Österreich ist die zweitgrößte Stadt des Landes und Landeshauptstadt der Steiermark. 2003 war es europäische Kulturhauptstadt – und bietet dem Besucher eine überraschend spannende Architekturszene, wie bereits ein erstes Durchblättern des Führers verrät.

Die historische Altstadt mit ihrer charakteristischen Dachlandschaft und Höfestruktur wurde 1999 zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt. Besonders hervorgehoben wurde in der offiziellen Begründung „die ‚harmonische Kontinuität der Stile’, von der Gotik über die italienische Renaissance, den Barock und den Historismus bis ins 20. Jahrhundert“. (34) Die stetige architektonische Weiterentwicklung des Stadtbildes prägt den besonderen Charakter der Stadt – und wirkt sich bis heute aus:

„Diese internationale Akzeptanz des weitgespannten und speziellen Wechselspieles der Baugeschichte in Graz [...schließt die] neue[] Architektur [mit ein]. In einem solchen Verständnis hat sich die Herausforderung an innovatorisches Bauen auch ständig bewegt und sich vielleicht gerade deshalb zu einer größeren als in anderen historischen Städten entwickelt.“ (34)

Dieses besondere Verhältnis zwischen neuer Architektur und historischem Umfeld wird maßgeblich gestaltet von einer lebhaften Architekturszene, die sich in den 1980er und 1990er Jahren entwickelt hat und als „Grazer Schule“ international bekannt ist: Architekten wie Manfred Kovatsch, Karla Kowalski, Klaus Kada, haben in den 1960er und 1970er Jahren in Graz studiert und arbeiten immer wieder dort – obwohl sie eigentlich sehr unterschiedliche Ansätze verfolgen und mittlerweile europaweit tätig sind. „Trotz manch selbstgewollter Ausgrenzung“ (38f.) verbindet diese Generation von Architekten/innen ihre enge Beziehung zu Graz.

Färberplatz, Graz (Quelle: s. Link)

Färberplatz, Graz (Quelle: s. Link)

Den Auftakt für die neuen Entwicklungen machte 1989 ein Dachcafé von Richard Ellmer am zentralen Färberplatz, das „das erste Zeugnis eines zeitgemäßen Neubaus in der Altstadt“ darstellt (27, A25). Ein Jahr zuvor, 1988, war auch das Haus der Architektur als Forum und Plattform für einen öffentlichen Diskurs über Architektur gegründet worden, das den Architekturführer herausgebracht hat. Gegründet als gemeinnütziger Verein zur Architekturvermittlung und Förderung zeitgenössischer Baukultur war das HDA Graz das erste Haus dieser Art in Österreich und somit Vorreiter für Gründungen ähnlicher Institutionen in allen anderen Bundesländern  sowie in ganz Europa. Das Spektrum der Aktivitäten reicht von Ausstellungen, Vorträge, Workshops, Wettbewerbspräsentationen, Architekturvermittlung und Organisation von Exkursionen bis zu einem eigenen Verlag, der ein breites Angebot von international vertriebenen Architekturpublikationen betreut und herausgibt.

Architekturführer…

Murinsel, Vito Acconci (Quelle: Wikipedia)

Murinsel, Vito Acconci (Quelle: Wikipedia)

Die neuen „Positionen im Stadtraum mit einem Schwerpunkt ab 1990″ thematisiert der neue Architekturführer: Versammelt werden also zeitgenössische Bauten, die in Standardreiseführern gewöhnlich untergehen: Zwar fallen sie dem Besucher (und Bewohner) einer Stadt auf, aber man findet wenig bis gar keine Informationen über sie. Schon allein von diesem Standpunkt aus verfolgt der Architekturführer einen sehr interessanten Ansatz.

Dieser Zielsetzung werden die Grazer konsequent gerecht – bis auf einige ältere Bauten („älter“ meint hier vor 1990 fertiggestellte Gebäude; angeführt werden durchweg moderne Nachkriegs-Bauten), die „für die Entwicklung der Architektur Graz von entscheidender Bedeutung sind“ (28))werden ausschließlich zeitgenössische Gebäude präsentiert. In der vorliegenden dritten, erweiterten und aktualisierten Auflage sind zudem auch die jüngsten Neubauten ab 2003 mitaufgenommen, etwa die Murinsel von Vito Acconci (2003) und das Kunsthaus von Peter Cook und Colin Fournier (2003).

Kunsthaus Graz (Quelle ebd., s. Link)

Kunsthaus Graz (Quelle ebd., s. Link)

Handlich im Din A5-Format, mit einem rosafarbenen Schutzumschlag passt der Architekturbegleiter gut in jede Tasche. Allerdings ist er trotz des praktischen Formats recht schwer. Die Umschlagfarbe ist Geschmacksache, auch, dass das Cover lediglich auf dem Buchrücken über Eck den Titel verrät.  Diese Gestaltung ist in den letzten Jahren sehr trendy geworden, ist jedoch nicht für jeden Zweck wirklich empfehlenswert, da man nach einem Blick aufs Cover nicht gleich weiß, woran man ist – und das ist für einen Führer zumindest nicht unwichtig. Allerdings ist diese äußere Gestaltung letztendlich nebensächlich. Viel mehr gibt es denn auch nicht zu kritisieren.

Der Preis allerdings ist mit 27,50 € sehr stattlich – und wird wohl Besucher der Stadt, die sich nicht ausdrücklich mit Architektur befassen, nicht zu einem Kauf animieren. Dies ist schade, da der Architekturführer einiges zu bieten hat:

Graz, Burgberg (Quelle N24)

Graz, Burgberg (Quelle N24)

Eröffnet wird der Architekturführer von zwei einleitenden Texten; der kürzere von Renate Ilsinger, ehemalige Leiterin des Verlages HDA Graz, umreißt Zielsetzung und Auswahl des Führers – gezeigt werden öffentlich zugängliche Bauten (um die Privatsphäre der Bewohner zu respektieren), die von einem internationalen Komitee, darunter Marie-Héléne Contal, Paris, Grigor Doytchinov, Sofia, Peter Blundell Jones, Sheffield, Walter Titz, Graz, Maria Welzig, Wien, Frank R. Werner, Münster, ausgewählt wurden. Daran schließt sich ein Essay von Michael Szyszkowitz an, selbst Architekt der „Grazer Schule“, der dem Leser die Stadt aus der „Flugperspektive“ vorstellt, die auf den ersten 8 Doppelseiten auch mit Luftaufnahmen abgebildet wird. Eine schöne Idee, die die vorgestellten Gebäude direkt ins Stadtbild verortet und so einen plastischeren Eindruck der Stadt vermittelt, als es Stadtpläne allein ermöglichen würden.

Szyszkowitz beschreibt die Besonderheiten Graz’ vom Zentrum ausgehend, den Burgberg, der hier Schlossberg heißt und der Stadt ihren Namen gegeben hat (das slawische  „gradec“ bedeutet Burg), die Ufer der Mur, die die Stadt durchfließt, die Altstadt mit ihren Plätzen, „fliegt“ dann nach außen in die Studentenstadt im Osten und „zieht Schleifen“ über die Viertel im Süden und im Westen der Stadt. Auch ein Kommentar zur aktuellen Situation der politischen Neuorientierung, die durch „Umverteilung des Wohnbauressorts [...] Fundament innovatorischer Möglichkeiten“ (44) entzogen hat, fehlt nicht.

An die einleitenden Essays schließt sich der Kern des Führers an, die Vorstellung der Gebäude. Über 150 der wichtigsten zeitgenössischen Bauten werden präsentiert. Die begleitenden Texte, die von den Mitgliedern des Auswahlkomitees verfasst wurden, sind zwar – dem Umfang des Bandes entsprechend – sehr knapp gehalten, aber sie bieten zusammen mit Fotografien konzentriert die wichtigsten Informationen. Pläne bzw. Grundrisse geben eine zusätzliche Orientierungshilfe. Die Auswahl ist sehr vielfältig: Vorgestellt werden ebenso Geschäftsgebäude wie Banken, Polizeiämter und Kaufhäuser, wie Wohnungsbau, Museen, Plätze.

Angeordnet in 11 Rundgängen durch die Stadtviertel kann der Besucher der Stadt Graz und ihre Bauten erlaufen.  Vor jedem Rundweg bietet ein schematisierter Ausschnitt aus dem Stadtplan einen Überblick über das jeweilige Viertel und die Lage der vorgestellten Bauten. Dieses Verfahren ist aus Reiseführern bekannt und bewährt. Zwar war ich selbst noch nicht vor Ort und kann somit nicht beurteilen, ob die Rundgänge gelungen sind. Grundsätzlich aber ist dies die beste Form eine Stadt kennenzulernen – sie zu erlaufen. Die Auswahl der Bauten klingt sehr vielversprechend und verspricht interessante Einblicke und Entdeckungen.

Den Abschluss des Architekturführers bilden kurze Statements der Autoren zur Architektur in Graz sowie ihre Kurzbiografien. Am Ende helfen zwei umfangreiche Indices, gezielt nach Namen der Architekten und nach Bautwerken zu suchen. Auch ein paar Leerseiten für Notizen sind eingeschlossen.

Fazit…

Eine „aufschlussreiche Standortbestimmung der Architekturszene des letzten Jahrzehnts“ in Graz verspricht die Ankündigung des Architekturführers Graz. Die „neue und neueste gebaute Architektur“ der Stadt soll „facettenreich und vielschichtig einem Fach- und breiteren Publikum näher [gebracht werden]„, heißt es in der Buchbeschreibung des HDA. Und dies triff, kurz gesagt, bestens zu.

Das handliche Buch weckt nicht nur Interesse für die Baukultur Graz’, sondern weckt auch ein generelles Bewusstsein für die zeitgenössische Architektur, die uns umgibt. Gerade aktuelle Bauten fallen zwar meist auf, werden aber selten in ihrem architektonischen Wert wahrgenommen – schlicht und einfach, weil sie zu jung sind. Damit leistet der Architekturführer auch einen Beitrag über die Grenzen der Stadt hinaus: Noch mehr Publikationen dieser Art wünsche ich mir auch für andere Städte.

Vor allem aber macht der Architekturführer  Lust auf einen Besuch in Graz!

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ARCHITEKTUR_GRAZ
Positionen im Stadtraum mit Schwerpunkt ab 1990

Verlag Haus der Architektur Dezember 2008 (3. Auflage)
Text: deutsch/englisch
ca. 400 Seiten, Format: 12 x 16 cm, zahlreiche Farb- und sw-Abbildungen, Broschur
27,50 €
deutsch: ISBN 978-3-901174-66-7
englisch: ISBN 978-3-901174-67-4





Daniel Libeskind: Erweiterung des Militärhistorischen Museums der Bundeswehr, Dresden

1 04 2009

Das Militärhistorische Museum der Bundeswehr, das Kontinuitäten und Brüche des Verhältnisses von Militär und Gesellschaft in Deutschland vom Mittelalter bis heute thematisiert, wird architektonisch und inhaltlich neugestaltet (mehr hier). Libeskinds Konzept sieht eine Keilspitze vor, die aus dem Haupttrakt der Anlage hervorragt: In der Form eines Keils hatten die britischen Bomberverbände im Februar 1945 die Altstadt Dresdens angeflogen. Die Keilspitze zeigt auf den Ort, an dem die ersten Bomben abgeworfen wurden.

Die Keilform nimmt nicht nur symbolisch Bezug auf die Bombardierung, sondern verweist auch auf die neue Konzeption der Ausstellung: Die chronologische Schau soll unter- und aufgebrochen werden durch den modernen Keil, der spezielle, epochenübergreifende Themen beinhalten soll. Ein Zitat aus der offiziellen Projektbeschreibung Libeskinds folgt unten.

Fertiggestellt soll das Militärhistorische Museum so aussehen:

Südfassade mit Libeskind-Neubau, Zeichnung: Büro Libeskind.

Südfassade mit Libeskind-Neubau, Zeichnung: Büro Libeskind.

Die Keilspitze wurde im September 2008 montiert (die Fertigstellung ist für 2010 geplant, statt wie ursprünglich 2008). Aktuell sieht es so aus (Stand Mitte März 2009):

© Fotos SK (ja, das Wetter war nicht ideal!)

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Die Stahlkonstruktion ist 30m hoch und ragt bis zu 20m heraus; sie besteht aus ca. 140t Stahl, wurde aus zwei Seiten zusammengesetzt und steht auf 6 Bohrpfählen mit je 13 m Länge.

Die Verkleidung durch gelochte Aluminiumpaneelen folgt.

Der Umbau soll bis 2010 fertiggestellt werden, 2013 soll eröffnet werden (laut Angaben auf der Seite des Architekten).

Zur Projektbeschreibung heißt es auf der offiziellen Website Libeskinds:

Daniel Libeskind designed the new extension by cutting a wedge through the structural order of the arsenal, giving the museum a place for reflection about organized violence. This wedge creats an objective view to the continuity of military conflicts and opens up vistas to central anthropological questioning.

The new extension gives a fundamental re-orientation to the existing building. It opens up the view to the historical center of Dresden. The wedge soars above the roof of the existing building, creating an image of modernization to the outside world and offering the opportunity to experience the opening to the city.

The new façade is being conceived against the background of the existing building, in response and contrast to it. The openness and transparency of the new façade stands against the opacity and solidity of the old façade. As one represents the severity of the authoritarian past in which it was built, the other reflects the openness of a democratic society and the changed role of its military. In the new elevation of the Museum both are visible at the same time and one through the other. This correlation corresponds to the juxtaposition of new and old in the building’s interior; the rigid column grid of the old Arsenal is contrasted with a new column of free space.  The interplay of both together forms the character of the new Military History Museum.

Militärhistorisches Museum der Bundeswehr
Olbrichtplatz 2
01099 Dresden