Wie es der Zufall so will – vor Kurzem berichtete „chic“ auf arte über „Umgewidmete Kirchen in Dublin“ (am 12.02.09) und brachte mir einen Bau in Erinnerung, den ich schon länger im Hinterkopft gespeichert hatte, um darüber zu berichten. Jetzt war arte schneller, aber auf das Gebäude will ich dennoch hinweisen:
The Church heißt die Location treffend, denn die Restaurant-Bar ist in einem alten Kirchenbau untergebracht. Laut Eigenwerbung ist es „one of Dublin’s most unique establishments“. Es liegt zentral im Shoppingviertel und dürfte auch in keinem aktuellen Reiseführer mehr fehlen. Trotzdem haben wir „The Church“ aber tatsächlich durch Zufall bei Streifzügen durch die Stadt entdeckt.
Die ungewöhnliche Location bietet 5 verschiedene Settings auf vier Ebenen, die Dank des umgenutzten Kirchenraums ein eindrucksvolles Erlebnis bieten: Mitten im Schiff ist heute ein riesige Theke, auf der Galerie kann nobel gespeist werden, in den Seitenschiffen Sitzgelegenheiten fürs abendliche Guinness, eine Cellar + Tower Bar, … . Aber ich möchte hier nicht die Einrichtung bewerben, sondern über die umgebaute Kirche an sich berichten. Wer Reisetipps sucht, sei auf die Webseite von The Church verwiesen.
Denn die Location ist sehr stylisch eingerichtet, gewinnt aber erst durch das Gebäude aus dem 18. Jahrhundert so richtig an Flair. Nach wie vor zu sehen sind etwa die prachtvolle Orgel von Renatus Harris und die Glasmalereien. Bekannte Namen, die mit St. Mary’s verbunden werden, sind etwa Arthur Guinness (1725-1803), der Gründer der gleichnamigen Brauerei, Jonathan Swift (1667-1745), der Verfasser von „Gulliver’s Travels“ und Sean O’Casey (1880-1964), ein irischer Dramatiker, der Filmfans durch den Alfred Hitchcock-Film „Juno and the Paycock / Juno und der Pfau“ (1930) bekannt ist und der auf einem gleichnamigen Bühnenstück von O’Casey beruht.

Geschichte
Der Kirchenbau, die St. Mary’s Church of Ireland, selbst ist eines der frühsten Beispiele einer Galerie-Kirche in Dublin und wurde Anfang des 18. Jahrhunderts erbaut. 1964 wurde die Kirche geschlossen, warum ist (mir) nicht bekannt, und wurde in den folgenden Jahren unterschiedlich genutzt, bis John Keating die heruntergekommene Kirche 1997 erwarb. 2007 wurde das Gebäude von den jetztigen Beseitzern erworben. Nach intensiven Restaurierungsarbeiten über sieben Jahre hinweg wurde das Gebäude im Dezember 2005 wiedereröffnet.
((Ich beziehe mich auf die Informationen auf der offiziellen Webseite von The Church; möglicherweise gab es hier einen Tippfehler bei den Jahren 2007 und 2005.))
Der Umbau wurde von DMOD Architects aus Dublin durchgeführt, die schon viele Projekte nicht nur in Dublin ausgeführt haben.
2006 wurde „The Church“ mit dem Dublin City Neighbourhood Awards in der Kategorie „Best Old Building“ ausgezeichnet.
Ob eine solche Umnutzung eines sakralen Baus zulässig ist oder an ein Sakrileg grenzt, wie das eingangs erwähnte arte-Dossier fragt, hängt natürlich vom persönlichen Standpunkt des Betrachters ab und lässt sich wohl nicht zufriedenstellend beantworten. Ich halte eine Umnutzung, zumal eine so gelungene, eines solchen Gebäudes jedoch für sinnvoller – und vielleicht auch zeitgemäßer – als die Kirche dem Verfall preiszugeben.

Fotos © SK







Nice Place!!! I’ve been there. I can’t understand the article. Because it’s written in German but the place it’s very interesting. :D
Dies ist definitiv eine sehr interessante sache! Ich habe noch nie zuvor gesehen das es einen „pub“ in einer sagen wir mal stillgelegten Kirche gibt…
Ich hoffe das dies ein neuer Trend ist, und das bald alle Kirchen umfunktioniert werden damit wir etwas sinnvolles mit diesen schönen Bauwerken anfangen können *g*
Ich denke das der Papst nicht begeistert sein wird von dieser umsetzung, was aber auch warscheinlich verständlich ist *g*
Tja vielleicht habe ich irgendwann mal die zeit und das Geld um mir die location näher anzuschauen… Bis dahin muss einfach gesagt sein das es einer der besten Ideen ist die ich seid langem gesehen habe !
Gruß , chris
Hallo,
über Umwege und XING-Architekturforum auf diesen phantastischen Blog geraten (Neugier ist das halbe Leben;-)).
Das mit der Kirchenumnutzung habe ich vor fast zwanzig Jahren in Santa Barbara erlebt, wo die Kirche in ähnlicher Weise umgenutzt wurde – und sie wurde als Stätte der Begegnung angenommen (und das sollte ja wohl eine der Hauptfunktionen einer Kirche sein).
Danke für die wundervollen Beiträge, ich wünschte ich hätte ein wenig davon.
Schöne Grüße und ich freue mich auf weitere Tips (vielleicht auch zu Dresden;-))
Ralf
Danke schön!
Und zumindest ein Dresden-Tipp oder -Kommentar ist in Vorbereitung. :-)
Simone