Ich freue mich sehr, euch ein neues Interview präsentieren zu können. Vor einiger Zeit habe ich Karl-Heinz Bogner vorgestellt, einem studierten Architekten, der mittlerweile als Künstler erfolgreich ist. In seinen Arbeiten thematisiert (u.a.) Raumfragen.
Arbeiten von Bogner werden übrigens im Oktober im Forum für Kunst und Architektur in Essen zu sehen sein.
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Wieso wird ein studierter Architekt Künstler?
Vor und auch während meines Architekturstudiums beschäftigte ich mich viel mit freier Kunst. Neben den Entwürfen und Semesterarbeiten setzte ich mich mit Malerei und Freier Grafik auseinander. Mein Bedürfnis, mich mit freikünstlerischen Mittel auszudrücken, wuchs im Laufe der Zeit. Nach meinem Studium war mir klar, dass es mich mehr zur freien Kunst zog als in die Architekturpraxis. Ich konzentrierte mich dann zunächst hauptsächlich auf Malerei.
Arbeiten Sie auch als Architekt?
Nein, ich arbeite nicht in der Baupraxis und habe bisher auch kein Haus gebaut.
Wie haben Sie zu Ihrer Arbeitsweise gefunden – und: Wie beeinflusst das Architekturstudium bzw. die Architektur Ihre Kunst? Bei der Arbeitsweise, bei der Themenwahl?
Meine heutige Arbeitsweise hat sich im Laufe der letzten Jahre entwickelt. Das Architekturstudium beeinflusst mich hierbei bis heute, auch weil die Auseinandersetzung mit Raum in Zeichnung und Modell ein zentraler Bestandteil des Studiums ist. Zudem hat das Studium mich für den Umgang mit Form und Raum sowie für deren Wahrnehmung sensibilisiert. In meinen Arbeiten, ob Bild oder Architekturobjekt, beziehe ich mich auf Architektur, die ich als Ausdrucksträger verstehe. Meine hierbei verwendeten Instrumente in meiner künstlerischen Arbeit sind neben Zeichnung und Modell auch die Malerei.
In meinen Objekten, die den Charakter von Architekturmodellen besitzen, setze ich mich mit verschiedenen Raumthemen, wie z.B. „Rückzugsraum“, „Schutzraum“ oder „Zwischenraum“, auseinander, Themen, die auch in der Architektur eine Rolle spielen.
Die Auseinandersetzung mit Raum und Architektur beeinflusst auch meine Malerei, in der zum Beispiel Formelemente auftauchen können, die entfernt an Gebäudeteile oder -fragmente erinnern.
Wo liegen Vorbilder für Ihre Arbeit, welche Einflüsse finden sich in Ihrer Arbeit?
Die Form- und Bilderwelt von Industriearchitekturen, Hafenanlagen, Steinbrüchen, Gebäuden im Rohbau oder auch Baustellen – also auch das nicht Fertige, das Fragmentarische – sind für mich Inspirationsquellen für meine Arbeit. In der Auseinandersetzung mit solchen Orten entsteht in mir eine Art „ inneres Archiv“, das ich in Bildern, Zeichnungen und Architekturobjekten umsetze. Aber auch eine Landschaft, ein Film oder ein Musikstück können für mich Aspekte beinhalten, die in meine Arbeiten einfließen.
Und noch eine „philosophische“ Frage: Welche Bedeutung hat Architektur / Raum – für Sie, für uns?
Ich denke, dass Architektur und überhaupt unsere gesamte gebaute Umwelt unser Leben mehr beeinflussen und prägen, als wir uns bewusst sind, auch weil wir sehr viel Lebenszeit in gebauten Räumen verbringen.
Darüber hinaus hat Architektur und Raum für mich eine zentrale Bedeutung, weil eben darin eine Vielfalt an Themen beinhaltet ist, auf die ich mich in meinen Arbeiten beziehe. Das Erleben und Wahrnehmen von bestimmten Räumen, Architekturen und Atmosphären regt mich zu künstlerischen Prozessen an.





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