Richard Meier in Mannheim

26 07 2008

(Fotos von S.)

Eine unerwartete Entdeckung kann man in Mannheim machen: seit 2007 kann man in einem von Richard Meier entwickelten Kaufhaus (P&C) shoppen gehen.

Meier (*1934) ist einer der großen Architekten weltweit; Pritzker-Preisträger von 1984 und einer der New York Five.

Offizielle Website von Richard Meier & Partners

Typisch für Meier sind mit weißen standardisierte Quadern verkleidete geometrische Baukuben mit lichtdurchfluteten Innenräumen, wie es auch in Mannheim zu beobachten ist:

Außen fällt die typische weiße Fassadenverkleidung auf, die allerdings – ein Kaufhaus eben – von sehr viel durchgehender Verglasung „unterbrochen“ wird. Innen wirkt der Bau stylisch, unterscheidet sich jedoch nicht wirklich von anderen Käufhäusern. Da ist ein anderer Baublock in der Nähe bedeutend auffälliger und eindrucksvoller – der Store of the Year 2008 (engelhorn-Neubau vom Architekturbüro Blocher Blocher Partners).

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Das Kaufhaus in Mannheim ist übrigens nicht der einzige Meier-Bau in Südwestdeutschland: in Frankfurt ist bereits von 1979-1985 das Museum für Angewandte Kunst entstanden, in Baden-Baden gibt es seit 2004 das „Juwel im Park“ / Frieder Burda Museum.






Inês d’Orey: Porto Interior

17 07 2008

(UPDATE)

Inês d’Orey (*1977 Porto) ist eine junge portugiesische Fotografin, die 2007 für ihre Serie „Porto Interior“ mit dem Fnac Prize New Photography Talent ausgezeichnet wurde.

Ein paar Aufnahmen dieser Reihe habe ich beim 2. Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg 2007 „Reality Crossings“ gesehen. Die Fotografin ist zwar nicht auf Architekturaufnahmen ausschließlich spezialisiert, aber „Porto Interior“ ist auf jeden Fall eine Erwähnung wert.

“I’m looking for the uncomfortable and asphyxiating banal, the sad and melancholic proximity. […] My aim is not to document these spaces, but to explore the possible and the impossible in an interior harbor.”

Ines d’Orey. Campanha Campanhâ (Schwimmbad/swimming pool)

Porto Interior zeigt Aufnahmen von (meist) öffentlichen, aber menschenleeren Innenräumen in d’Oreys Heimatstadt Porto. Die Künstlerin hat diese Bilder selbst aufgenommen und anschließend digital bearbeitet.

Entstanden sind entrückt wirkende Szenerien in Farben, die wie von einer andere Welt wirken. Die eigentlich vertrauten Orte erscheinen durch die Bearbeitung fremder, ungewohnter, spannender, anziehender. Alltägliche Räume, denen man sonst nicht viel Aufmerksamkeit schenkt, werden plötzlich ganz anders wahrgenommen.

Mehr Bilder nicht nur zu Porto Interior auf der Website der Fotografin.

PS: Ich habe mich in dieser Beschreibung auch am Katalog des Fotofestivals orientiert; dort wird der missverständliche Aussage gegeben „Ihre Motive findet sie in historischem Bildmaterial, das sie … digital überarbeitet“. Tatsächlich hat die Fotografin die Bilder aber selbst aufgenommen und nicht, wie ich zuvor geschrieben hatte, mit alten historischen Fotografien gearbeitet. Ich habe meinen Artikel daher entsprechend korrigiert.

Inês d’Orey (*1977 Porto) is a young Portugese photographer who won the Fnac Prize New Photography Talent 2007 for her series “Porto Interior”.

I could see some pictures of this series at the 2. Fotofestival Mannheim_Ludwigshafen_Heidelberg 2007 „Reality Crossings“. Even though the photographer is not specialized in architecture photography only, „Porto Interior“ is still worth mentioning.

“I’m looking for the uncomfortable and asphyxiating banal, the sad and melancholic proximity. […] My aim is not to document these spaces, but to explore the possible and the impossible in an interior harbor.”

Porto Interior shows photographs of (mostly) public, but deserted interior spaces of d’Orey’s home town Porto. The artist took the pictures herself, and digitally modified them afterwards.

Thus, she created sceneries seemingly disconnected from reality, with colours that appear to be from another world. After the modification, the usually familiar spaces appear strange, unknown, more exciting, attracting. Topical spaces, generally not really noticed, are suddenly perceived in a totally different way.

More info not only about „Porto Interior“ on the artist’s website.

PS: When writing this article I also used the fotofestival’s catalogue for information; yet there is provided the somewhat misleading sentence „D’Orey finds her motifs in historical images which she digitally reworks…“. Actually the photographer has taken the pictures herself and did not, as I have written before, used old historic photographs. Thus I have corrected the article accordingly.





Andreas Gursky: Architektur (Ausstellung in Darmstadt)

10 07 2008

Vor ein paar Tagen war ich in der Ausstellung „Andreas Gursky. Architektur“ in Darmstadt, die Teil eines umfangreichen Festprogramms ist:

Darmstadt feiert dieses Jahr das 100jährige Jubiläum seiner „Stadtkrone“: der berühmte Hochzeitsturm und das Ausstellungsgebäude auf der Mathildenhöhe von Joseph Maria Olbrich, die die Stadt „krönen“ und zum Wahrzeichen geworden sind.

Aus diesem Anlass steht Darmstadt 2008 ganz im Zeichen der Architektur und will, so die offizielle Zielsetzung, ausdrücklich das Nachdenken über die Rolle der Architektur als essentiellen Lebensraum des Menschen befördern“.

Die Ausstellung selbst ist recht überschaubar – 14 großformatige Fotografien von Gursky werden in zwei Räumen gezeigt, die allerdings nicht so recht einladend wirken wollten. Auch war mir die Auswahl und Anordnung der gezeigten Arbeiten nicht wirklich ersichtlich. Sie wird dem Besucher vor Ort auch nicht erläutert (möglicherweise wird dies im Katalog deutlicher, den ich allerdings nicht intensiv gelesen habe). Ein vierseitiges Begleitblatt vermittelt Informationen zu den Fotoarbeiten.

Die Arbeiten des Fotografen wirken daher aber umso stärker.

Gurskys Architektur-Fotografien

Gursky (*1955) ist derzeit einer der bedeutendsten zeitgenössischen Fotografen. Bekannt geworden ist er für seine großformatigen, meist aus mehreren Aufnahmen montierten Arbeiten, die räumliche Situationen, mal bevölkert, mal menschenleer, darstellen. In detailreichen, ästhetisch ansprechend inszenierten Fotobildern, denen ein zentraler Gegenstand fehlt, spielt der Fotograf mit perspektivischer Darstellung und der Wahrnehmung der Betrachter.

In der Ausstellung zu sehen sind zahlreiche Aufnahmen von Innenräumen sowie einige Außenaufnahmen, die verschiedene Annäherungsweisen an Architektur und Raumdarstellung zeigen. Präsentiert wird auch eine der ältesten Arbeiten Gurskys, »Uni Bochum«, 1988.

(Bild von hier)

Hier begegnet de Betrachter in »Uni Bochum« noch dem „klassischen“ Blick aus einer Säulenarchitektur – allerdings kein Tempelbau, sondern ein modernistischer Universitätsbau – in die Landschaft. Der Übergang zwischen Innen und Außenbau ist noch vermischt, der Blick geht in einen – allerdings schon – unscharfen und blassen Tiefenraum. In späteren Arbeiten ist jede Andeutung von Perspektive aufgehoben.

Daneben hängt »Paris, Montparnasse«, 1993.

(Bild von hier)

Im Vergleich zwischen diesen Arbeiten wird Gurskys Entwicklung deutlich:

Hier ist der Hintergrund nur noch ein grauweißer Farbbalken am oberen Rand, der kein Gefühl für Räumlichkeit mehr vermittelt. Zu sehen ist „nur“ die Hauswand eines Pariser Wohnblocks – übrigens des größten der Stadt –, ein typisch modernistischer 1960er Jahre-Bau, in dem sich Wohneinheit an Wohneinheit, Fenster an Fenster reiht. Diese Rasterung der Fenster und ihrer detailreichen Dekoration entwickelt einen ganz eigenen Bildrhythmus, der die Fotografie gliedert – umso mehr, wenn man weiß, dass hier zwei Aufnahmen zusammenmontiert und zudem auch die Anordnung der Fenster komponiert wurden. Im Einerlei der Fensterwand sucht der Betrachter nach dem Übergang, dem Fehler, der Störung in der Masse – wo wurde zusammengesetzt, wo wurde manipuliert – was stimmt nicht?

Diese Detailsuche funktioniert nur vor dem Original; kaum eine Repro kann diese Riesenformate von oft 2 m x 3 m oder mehr so genau wiedergeben.

Übrigens: Es sind die Fenster in »Paris, Montparnasse«, die Hinweise geben auf die Montage – sie sind mal kräftiger, mal blasser getönt.)

Baustruktur = Bildstruktur

Gurskys Aufnahmen werden von Architektur-Elementen gegliedert:

(Bild von hier)

Die Aufnahme der U-Bahnstation »São Paulo, Sé«, 2002, das Titelbild der Ausstellung, wird von den balkonartigen Stockwerken gegliedert. Die Menschen, die die Etagen der Bahnstation bevölkern, sind dabei winzig klein und kaum als Individuen erkennbar. Somit bilden die architektonischen Elemente die wesentliche Grundlage des Bildaufbaus. Die Balkons werden zu den dominierenden Elementen der Fotografie, die dadurch fast schon ein wenig an die Farbfeldmalerei erinnert (in einem anderen Bild wird das noch deutlicher), wenn man mit etwas Entfernung auf das Bild blickt.

Gursky manipuliert die Seherfahrung des Betrachters durch die perspektivischen Verzerrung der Architektur. Die Wiedergabe stimmt mit den natürlichen, gewohnten Proportionen nicht mehr überein, eine räumliche Tiefenwirkung kommt kaum zustande. Trotz der Fülle an Details wirken Gurskys Architektur-Fotografien – ungegenständlich und zeigen, verstärkt noch durch das übergroße Format, ungewöhnliche, ungewohnte Ansichten.

Aufnahmen realer Architektur werden zu Fotografien montiert – oder um im Bild der Architektur zu bleiben: konstruiert und zusammengebaut, die neue Ansichten der Architektur bieten (sicher beschränkt sich Gurksys künstlerische Intention nicht ausschlißelich darauf; es allerdings für meinen speziellen Blickwinkel „Architektur + Kunst“ besonders interessant.)

Besonders deutlich wird dies auch in der Aufnahme »Copan«, 2002, für mich die stärkste Fotografie der Ausstellung:

Copan ist ein Wohngebäude von Oscar Niemeyer in São Paulo. Gurksy hat die bekannte Vorderseite mit der nur selten beachteten Rückseite kombiniert.

Weitere Informationen zur Ausstellung finden sich in Kürze hier.

Ein Rückblick auf die große Gursky-Schau im Haus der Kunst / München letztes Jahr hier.

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Gezeigt werden in Darmstadt übrigens auch:

(Alle Fotografien von hier, „Kamiokande“ von hier)

Version des berühmten Werkes »99 Cent«, 1999, das 2006 zum Rekordpreis von 2,26 Millionen Dollar bei Sotheby’s New York versteigert wurde und das damit die derzeit teuerste zeitgenössische Fotografie ist.

eine ungewohnte Ansicht der Cheops-Pyramide, »Cheops«, 2005.

eine Aufnahme aus dem Tank des japanischen Neutrino-Detektor Super-Kamiokande, »Kamiokande«, 2007, die Erinnerungen an Matrix und die Op Art hervorruft.

eine Montage aus einer vietnamesischen Korbflechterei, die Möbel für IKEA produziert, »Nha Trang«, 2004. Das Foto erinnert stark an ein Dripping von Jackson Pollock.

ganz ähnlich „drippinghaft“ auch eine Aufnahme von einem mexikanischen Müllberg »Ohne Titel XIII (Mexico)«, 2002 – nur wer direkt vor dem Foto steht, findet die Architektur im Bild: notdürftige Behausungen wurden aus den Abfällen zusammengebaut.





UNESCO world heritage: Berlin Modernism Housing Estate added

8 07 2008

The UNESCO world heritage comitee in Quebec has just announced the decision to add the 6 Residential Areas of Berlin Modernism Housing Estate – die Siedlungen der Berliner Moderne – to the World Heritage List (see the Complete List in German/English). So it is now 6 more entries to the World Heritage List in Germany (32 + 6 so far) (see the World Heritage Sites in Germany).

Tuschkastensiedlung Falkenberg, 1913-16, Bruno Taut

Wohnstadt Carl Legien in Prenzlauer Berg, 1928-30, Bruno Taut

Ringsiedlung in Siemensstadt,1929-34, Hans Scharoun, Martin Wagner

Hufeisensiedlung Britz, 1925-30, Bruno Taut

Siedlung Schillerpark im Wedding, 1924-30, Bruno Taut

Weiße Stadt in Reinickendorf, 1929-31, Otto Rudolf Salivsberg, Martin Wagner

(Named are only the architects responsible for the master plan: read more (Wikipedia) and more (Spiegel Online))

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Besides the Modern Residential Areas, several other cultural sites have been added to the World Heritage List:

Announced on 6. July 2008 and also

Announced on 7. July 2008





Patrick Blanc: Murs Végétaux

4 07 2008

When we ‘ve been in Paris – already 3 months ago, in May! Time really flies! – I discovered two Vertical Gardens by Patrick Blanc:

The rather famous one next to the new Musée du quai Branly, at the museum’s administrative building, 2004, and  (photographs all taken by myself)

a smaller, though maybe even more impressive one at La Défense, Galeries Lafayette Shopping Centre, facing the Grande Arche; made in 2008.

Patrick Blanc is well-known all around the world. His Vertical Walls – made with a copyrighted method of growing plants without soil – can be found in cities like Madrid, Osaka, Dehli, New York, Bangkok,…

His vision of a „controlled Jungle“ makes architecture and cities transforms simple and often dull walls – both interior and extrior ones – into fascinating „wall paintings“ – when standing right in front of this walls people often start admiring them like masterpieces in a museum.

I’ll try and write a little more soon.

More information on Blanc’s Website, as well as reports about Blanc here (German) and here (English).





Karl-Heinz Bogner: Raumfolgen

1 07 2008

Was passiert, wenn ein Architekt Kunst macht?

Ohne Titel, 2007, Mischtechnik auf Leinwand, 40 x 240 cm (Website des Künstlers)

Karl-Heinz Bogner ist studierter Architekt mit Ingenieurs-Diplom aus Stuttgart, der mittlerweile als freier Künstler, als Maler und Bildhauer, arbeitet. Aufmerksam wurde ich auf ihn durch einen Bericht im art info Magazin sowie im Portal Kunstgeschichte. Persönlich konnte ich aber noch keine Arbeiten von ihm sehen.

2005 hatte Bogner eine Einzelausstellung in der renommierten Architekturgalerie Aedes in Berlin, im Herbst 2008 wird er im Essener Forum für Kunst und Architektur zu sehen sein. Bis Mitte Mai wurden seine neuesten Arbeiten „Raumfolgen“ in Göppingen, Galerie Kränzl, gezeigt.

(Aufnahme aus der Galerie Kränzl)

Bogners Gemälde in schwarzweißen Schattierungen (manchmal mit einigen wenigen Farbakzenten) erinnern an feine grafische Konstruktionen, sie haben etwas Architektonisches an sich, sind aber nicht eindeutig als Räume oder Bauten zu erkennen. Die Formen sind kantig, quadratisch. Aus dem Neben- und Übereinander von dunkeln und hellen Flächen ergibt sich eine räumliche Wirkung, ohne dass Bogner perspektivische Darstellungsmittel einsetzt: Bogner „baut“ seine Gemälde aus Flächen und Linien, Hell und Dunkel/Licht und Schatten auf – wie ein Architekt, könnte man meinen. Die Bilder haben keinen Fluchtpunkt, sie sind „flach“; dennoch meint der Betrachter automatisch einen Raum zu erkennen. „Raum wird als Durchgang und Übergang erfahrbar.“[1]

Ohne Titel, 2003, Holz, Karton, mdf, Acrylfarbe, 22 x 55 x28 cm (Website des Künstlers)

Dies wird auch in seinen Holz-Skulpturen fortgeführt: Die filigranen schwarze Raummodelle aus Balken, Linien, Stäben sehen aus wie plastisch gewordene Bilder von Bogner. Sie erinnern an architektonische Objekte – so sind sie auch tituliert: „Objekt“ –, sind dabei aber immer schwarz, nicht weiß, wie die typischen Architekturmodelle. Bogner betont zudem die Bindung seiner dreidimensionalen Arbeiten an die Malerei. Ein wenig erinnern sie auch an die weißen Architektone Malewitschs, die ebenfalls aus Raumkuben Gebilde formen, die an Architektur erinnern, jedoch keinerlei konkrete bauliche Elemente aufweisen.

Nach Günther Baumann ist Bogners Thema „das menschliche Innenleben, dessen Emotionalität er über architektonische Formenspiel auf eine ästhetische Ebene hebt; sei es als rückzugsfähiger Schutzraum, sei es als selbst schutzwürdiges Refugium. Karl-Heinz Bogner will in seinem Werk keine Widersprüche auflösen, keine Harmonie um jeden Preis, im Gegenteil: Er fordert sie geradezu heraus. Die Fragilität und Brüchigkeit wie die Heimeligkeit gehen schließlich auch im echten Leben meist ineinander über.[1] Seine Arbeiten sind Denkräume.


[1] Zitat nach Günther Baumann, www.portalkunstgeschichte.de