Vor kurzem habe ich die Arbeit von Tobias Weber vorgestellt und gefragt, was passiert, wenn ein studierter Architekt Kunst macht. Ich freue mich sehr, dass er sich die Zeit genommen hat, diese und ein paar weitere Fragen zu beantworten.
(For English translation, please scroll down)
Wie haben Sie zu Ihrer Arbeitsweise gefunden (mit „Tuben zeichnen“)?
Die „Outlines“ verfolge ich schon seit mindestens zehn Jahren.
Ursprünglich haben mich die Umfassungslinien beim Comix fasziniert, da diese den Bildern eine unglaubliche Prägnanz und Klarheit verleihen. Die Outlines verhindern zudem, dass sich verschiedenen Farbflächen an deren Grenzen vermischen, was das Sujet noch klarer zum Vorschein bringt. Nun suchte ich immer nach den perfekten Outlines und wurde schliesslich bei der fliessenden Tube fündig, mit welcher ähnlich wie ein Farbstift freie ununterbrochene Linien generiert werden können. (Und natürlich gefällt mir die unglaubliche Plastizität!)
Wieso wird ein studierter Architekt Künstler?
Weiss ich bis heute nicht! Ich glaube dennoch, dass die beiden Metiers nicht grundverschieden sind. Sowohl Architekt wie auch Künstler (Kunstmaler)
benötigen eine hohe Affinität zur Zeichnung. Die meisten Architekten und Kunstmaler finden mit Skizzen zur gesuchten Lösung.
Arbeiten Sie auch als Architekt?
Ja, ich arbeite weiterhin ca. 50 % als Architekt. Ich tue dies allerdings aus Liebe zu beiden Metiers und das eine inspiriert jeweils das andere.
Wie beeinflusst das Architekturstudium bzw. die Architektur Ihre Kunst? Bei der Arbeitsweise, bei der Themenwahl?
Ja, das Architekturstudium hinterliess tiefe Spuren. Es schärfte mein Verständnis für die gebaute Umwelt, in welcher die meisten von uns sich täglich aufhalten. Funktionalität, Abstraktion, Natürlichkeit, Rationalität oder andere Kriterien lassen Gebäude plötzlich ästhetisch oder gar schön erscheinen, sobald diese in ihrer Idee und ihrer Zeit betrachtet werden.
Alltägliche Zweckarchitektur wie beispielsweise Tiefgaragen, Autobahntunnels oder S-Bahn-Brücken empfinde ich als schön, weil sie eine logische Folge aus Bedürfnissen darstellen und sie dem Nutzen entsprechend konzipiert und gestaltet wurden.
In meinen Bildern probiere ich mittels Ausschnittwahl, Farbgebung und Abstraktion aufzuzeigen, dass solche Räume durchaus unsere Beachtung
verdienen und geschätzt werden können.
Meine Arbeitsweise ist nicht spezifisch von der Architektur beeinflusst.
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